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Yes

Szene aus 'Yes' - Mann und Frau im Bett
Eine west-östliche Liebesgeschichte.

»Cleaning is an illusion. – Reinemachen ist nur eine Täuschung.« Das sagt die Putzfrau (Shirley Henderson) und sieht dabei freundlich in die Kamera. Direkt zum Zuschauer, der die Putzfrau als Komplizin gerne annimmt. Bei all dem Dreck, den sie niemals entfernen, nur von einem Ort zum anderen schieben kann – da kehrt sie ein bisschen Ironie zusammen, die Abstand schafft zum vielen Leid, das die Geschichte zu transportieren hat.

Der Film dreht sich nicht nur um die gescheiterte Ehe: Die erfolgreiche Mikrobiologin um die Fünfzig (Joan Allen) ist mit dem englischen Politiker (Alec Baldwin) nur noch zum Schein verheiratet. Sehr präzise weiß Sally Potter das individuelle Unglück zu porträtieren – doch die beiden bleiben namenlos. Weil es nicht um die Moral der Ehe geht. Es geht – wie die Regisseurin selber sagt – um Moral auf globaler Ebene.

Die Frau irischer Herkunft beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einem libanesischen Arzt (Simon Abkarian), der in England als Koch arbeitet – eine Liebesgeschichte, die Sally Potter nutzt, um von einer Ost-West-Verbindung zu erzählen. Eine, die durch schieres Verlangen zustande kam und von Vorurteilen und Vorgeschichten zumindest gestört wird.

Der Film ist ein feiner gesellschaftspolitischer Kommentar – so trocken könnte man es dahin notieren. Ebenso, wie Sally Potter es vermeidet zu sagen. Sie versucht, den interkulturellen und interreligiösen Diskurs zwar in Gang zu bringen, ihn aber unbedingt zu vermenschlichen. Und schafft es ausgerechnet durch ein hohes Maß an Künstlichkeit. Sie lässt ihre Figuren in Versen sprechen und zur eigenen Musik beinahe tanzen.

Sally Potter, 1949 in Großbritannien geboren, ist laut Legende früh eigene Wege gegangen. Mit sechzehn verließ sie die Schule, um experimentelle Kurzfilme zu drehen. Sie schloss eine Ausbildung zur Tänzerin und Choreografin ab, trat als Performance-Künstlerin auf, arbeitete als Theaterregisseurin, Sängerin, Songwriterin und Dichterin. Als Filmemacherin zählte sie Ende der 70er und Anfang der 80er zur feministischen Avantgarde, die den Konventionen des Hollywood-Kinos innovative Filme entgegenstellte. Es ging ihr um andere Inhalte, noch mehr aber um formale Neuerungen – wie zum Beispiel beim Film »The Gold Diggers« von 1984. Von den Kritikern immerhin beachtet, fiel er bei den Kinozuschauern durch.

Seither produzierte sie nur vier weitere Filme – die jedoch gefeiert und vielfach ausgezeichnet wurden: »Orlando«, »Tango Lesson«, »In stürmischen Zeiten« – und „Yes«. Immer ist Potter ganz Autorin: Führt Regie, schreibt die Drehbücher und die Musik selbst. Und immer noch tritt sie betont als Frau auf und stellt in einem Interview von 2005 mit dem »Filmdienst« heraus, dass die Kompetenz eine Regisseurin immer noch schneller in Frage gestellt wird als die eines Regisseurs.

Mag erschwerend hinzukommen, dass Filme wie »Yes« äußerst poetisch daherkommen – der Verdacht des Kitsches nahe liegt. Die Figuren sind jedoch alles anders als schlicht – sie verändern sich, sie zweifeln, sie wissen nicht mehr, woran sie glauben sollen – sei es die Wissenschaft oder die Religion. Auch ein Happy End sieht anders aus. In einem Interview (jazzethic) sagt Sally Potter über ihr Publikum: »Ich spreche nur zu einer einzigen Person, meinem geliebten Freund, dem ich ins Ohr flüstere.«

Ina Henrichs, 2006

Kurz und knapp

Eine romantische Liebeskomödie als filmisches Experiment.

Daten und Personen

Yes (Yes)
Land: Großbritannien, USA
Jahr: 2004
Regie: Sally Potter
Buch: Robert Falconi, Sally Potter
Kamera: Alexej Rodionow
Musik: Sally Potter, Philip Glass, Tom Waits
Schnitt: Daniel Goddard
Darsteller: Joan Allen (Sie), Simon Abkarian (Er), Sam Neill (Anthony), Shirley Henderson (Putzfrau), Sheila Hancock (Tante), Samantha Bond (Kate), Stephanie Leonidas (Grace)
Produktion: Andrew Fierberg, Christopher Sheppard
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12

Links

  • Ein weiterer Film von Sally Potter: »Orlando«

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