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Willenbrock

Szene aus 'Willenbrock' - Mann rennt im Hemd durch den Garten
Willenbrock (Axel Prahl) hat etwas gut zu machen.

Wie konnte er nur? Andreas Dresen, den sie so gelobt hatten wegen seines Films »Halbe Treppe«, irritierte manche Kritiker. Nicht mit Digicam filmte er »Willenbrock«, sondern mit einer großen 35-Millimeter-Filmkamera und dazu noch in Cinemascope. Sie hätten, sagte Dresen in einem Interview, in gewisser Weise nach »Halbe Treppe« die Nase voll gehabt von Videoästhetik. »Das Konzept war ausgereizt.« Anders als Dresens Interesse am Osten Deutschlands, in dem er mehr Gesamtdeutsches findet als jeder Politiker in einer Sonntagsrede.

Bernd Willenbrock (Axel Prahl), scheint einer von denen, die es gepackt haben. Autohändler ist er, genauer: Gebrauchtwagenhändler. In Magdeburg. Einen ganz ordentlichen Wohlstand hat er sich erarbeitet. Man kann Willenbrock nichts verargen, denn seine Gerissenheit hat nichts Hinterhältiges, nichts Boshaftes an sich. Seine Frau Susanne (Inka Friedrich) liebt er, mit der Professorin Vera (Dagmar Manzel) schläft er gelegentlich und dem Vater der Studentin Anna (Anne Ratte-Polle) gibt er einen Job, um bei ihr vielleicht doch noch eine Chance zu haben.

Nichts scheint Willenbrock indes irritieren zu können. Gelegentlich nur ist ihm seine Ahnung, seine Befürchtung anzumerken, dass sich seine heile Welt früher oder später als zu teuer für ihn erweisen könnte, zu teuer für einen Gebrauchtwagenhändler.

Der Überfall

Die neue Realität bricht nachts über die Willenbrocks herein. Zwei Russen überfallen das Ehepaar in seiner Wohnung. Mit knapper Not entkommen die Willenbrocks, um fortan in beständiger Verunsicherung zu leben. Verzweifelt versucht Willenbrock, sein Leben neu zu richten. Vergebens. Dem Erfolgsmenschen zerrinnt zwischen den Fingern, was er geduldig aufgebaut hat: das bürgerliche Wohlgefühl, von dem man meint, es halbwegs redlich verdient zu haben.

Andreas Dresen hat »Willenbrock« nach einem Roman von Christoph Hein gedreht, dabei das Politische etwas in den Hintergrund treten lassen. Konzentriert Hein sich vor allem auf die Weltsicht seines Protagonisten, rückt Dresen Nebenfiguren des Romans ins Licht, verleiht ihnen ein schärferes Profil. Bestach vor allem »Halbe Treppe« durch beinahe dokumentarische Qualitäten, durch die Nähe der Kamera zu den Darstellern, durch eine Spontaneität, die Sätze so ungehobelt hervorbrachte wie der Alltag, verlegt Dresen sich bei »Willenbrock« auf ironisch gebrochene Charakteranalysen.

Thomas Steinberg, 2005

Kurz und knapp

Bernd Willenbrock, Autohändler in Magdeburg, geht es gut. Er hat Erfolg. Bis eines Tages das gute Gefühl, es geschafft zu haben, empfindlich gestört wird.

Daten und Personen

Willenbrock
Land: Deutschland
Jahr: 2005
Genre: Drama
Regie: Andreas Dresen
Buch: Laila Stieler nach Christoph Heins Roman »Willenbrock«
Kamera: Michael Hammon
Schnitt: Jörg Hauschild
Darsteller: Axel Prahl (Bernd Willenbrock), Inka Friedrich (Susanne Willenbrock), Anne Ratte-Polle (Anna), Dagmar Manzel (Vera), Christian Grashof (Maler Waldersee), Andrzej Szopa (Jurek), Tilo Prückner (Fritz), Wladimir Tarasjanz (Krylow)
Produzenten: Norbert Sauer, Cooky Ziesche, Udo Happel, Ulrich Kling
Länge: 108 Minuten
Format: Farbe, 1:2,35
Sprachversion: deutsch
FSK: ab 12

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