
Nick Park hat es bewiesen: Mit genügend Knete kann man Oscars gewinnen. Gleich dreimal ist ihm, dem 1958 geborenen Briten, das gelungen: 1990, 1993 und 1995. »Wallace & Gromit«, seine Stars, sind kaum handgroß – und aus Knete, besser gesagt aus Plastilin. Wo heute andere dicke Computertechnik auffahren, um Figuren zu beleben, nutzen Park und seine Mitarbeiter ihre Hände. Stück für Stück wird jede Bewegung modelliert. Eine Arbeit, die Geduld verlangt, denn eine Sekunde Film erfordert 24 Einstellungen. Sind die Szenen aufwändig, können an einem Tag gerade einmal drei Sekunden produziert werden.
Doch das Ergebnis all der Mühe überzeugt: Die Knete lebt. »Wallace & Gromit« der liebenswürdige, unerschütterlich optimistische Erfinder und sein cleverer Hund, sind Persönlichkeiten. Ebenso Shaun, das Schaf, das einen aus seiner eigenen Wolle gestrickten Pullover trägt. Und selbst Feathers, dem schmierigen und brutalen Pinguin, nimmt man ab, dass er durch und durch ein Fiesling ist. Warum sonst sollte er sich einen Gummihandschuh auf den Kopf stülpen? So lockt eine neue »Wallace & Gromit«-Folge in Großbritannien, wo die Filme im Auftrag der BBC entstehen, ein Millionenpublikum vor die Fernsehschirme. Es dauerte aber eine Weile, bis nach Deutschland die Nachricht durchdrang, die Wallace selbstbewusst in Anzeigen verkündete: »Ich bin bekannter als Anthony Hopkins.«
»Die Technohose« wurde 1993 gedreht – und erhielt in der deutschen Synchronisation einen etwas unglücklichen Titel verpasst, heißt doch das Original »The Wrong Trousers«. Und dies ist der stimmigere Titel, denn die Hose, die Wallace Gromit als Geburtstagsgeschenk macht, schafft nur Probleme. Vor allem scheint Feathers, der Pinguin, sehr erpicht auf das unförmige High-Tech-Kleidungsstück. Sie könnte ihm, dem meistgesuchten Verbrecher, nämlich bei seinem geplanten Coup höchst nützlich sein.
Zwei Jahre später entstand »Unter Schafen« – und auch hier vergisst Wallace ein wenig seinen treu ergebenen Kumpanen Gromit, mit dem er seine Vorliebe für Käse und Cracker teilt. Während Wallace, alles andere als ein Frauenheld, sich in die Wollladenbesitzerin Wendolene Rambottom verliebt (unglücklich, versteht sich), wird Gromit unter dem Verdacht stehend verhaftet, jener unheimliche Schafmörder zu sein, der im Land sein Unwesen treibt. Tatsächlich steckt dahinter ein aus der Kontrolle gelaufener Roboter in Hundegestalt – der irgendwie an »Terminator« erinnert.
Neben den großen, jeweils halbstündigen Wallace & Gromit-Filmen hat Park eine Reihe kurzer Filme gedreht, gelegentlich in der Werbung gearbeitet oder – zusammen mit anderen – das Video zu Peter Gabriels Song »Sledgehammer« geliefert. Wenn aber die Oscars noch nicht gereicht haben sollten, Park bekannt gemacht zu haben, so schaffte dies sein erster abendfüllender Film, bei dem er gemeinsam mit Peter Lord Regie führte: »Chicken Run«.
Thomas Steinberg, 2003
Ein sympathisch-schrulliger Erfinder und sein cleverer Hund haben alle nur erdenklichen Abenteuer zu bestehen, die das Kinoleben für Leinwandhelden parat hält.
Wallace & Gromit – Die Technohose (The Wrong Trousers)
Land: Großbritannien
Jahr: 1993
Genre: Animationsfilm
Regie: Nick Park
Buch: Nick Park, Bob Baker
Kamera: David Alexander Riddett
Schnitt: Helen Garrard
Musik: Julian Nott
Länge: 30 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: deutsch
FSK: o.A.
Wallace & Gromit – Unter Schafen (A Close Shave)
Land: Großbritannien
Jahr: 1995
Genre: Animationsfilm
Regie: Nick Park
Buch: Nick Park, Bob Baker
Kamera: David Alexander Riddett
Schnitt: Helen Garrard
Musik: Julian Nott
Länge: 30 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: deutsch
FSK: o.A.