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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

szene aus Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Szene aus »Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen«.

Mehr als 800 Jahre nach ihrem Tode wurde sie, die von der Kirche nie heilig gesprochen wurde, zur Ikone der Frauenbewegung: Sie entdeckte Hildegard von Bingen für sich. Eine Nonne und die erste mittelalterliche Mystikerin, deren Wort bei den Mächtigen ihrer Zeit etwas galt. Eine hochgebildete Frau, die ihre Interessen durchzusetzen wusste und gegen Widerstände für sich und ihre Anhängerinnen ein eigenes Kloster errichtete. Eine Frau, die gelehrte Werke schrieb, komponierte und von Esoterikern ihrer medizinischen Ratschläge geschätzt wird, wenn auch unsicher ist, welche der heute als Hildegard-Medizin vermarkteten Behandlungsmethoden tatsächlich auf Hildegard von Bingen zurückgeht.

Keine Frage: Hildegard von Bingen hat den Status eines Popstars, der um so heller glänzt, als das Mittelalter auch heute noch beinahe reflexhaft mit dem Attribut finster versehen wird – obwohl doch im 12. Jahrhundert in weiten Teilen Europas längst die Voraussetzungen gegeben waren, die de Aufstieg einer Hildegard von Bingen überhaupt möglich machten: Über Klöster hatten Mädchen und junge Frauen durchaus Zugang zur Bildung. So auch Hildegard, deren Eltern sie im Alter von acht Jahren aufs Kloster Disibodenberg schickten.

Was wirklich erstaunen kann. Dass bislang niemand versucht hat, das Leben dieser Frau zu verfilmen. Die Aufgabe hat nun Margarethe von Trotta übernommen. Was nicht wirklich überraschen kann. In vielen ihrer Filme stellte sie starke Frauen in den Mittelpunkt. Allerdings – Hildegard beschäftigt von Trotta schon seit den 70er Jahren.

Die Hauptrolle hat von Trotta mit einer Darstellerin besetzt, der sie immer wieder große Rollen anvertraut hat: Barbara Sukowa. Terroristin war sie schon unter von Trottas Regie, Revolutionärin ebenso und nun eben mittelalterliche Mystikerin. Was diese drei Personen verbindet: es sind Prototypen eines Frauentyps; sie hatten Nachfolgerinnen, aber keine Vorgängerinnen im engeren Sinne, Rosa Luxemburg, Gudrun Ensslin. Und eben Hildegard.

Thomas Steinberg, 2009

Kurz und knapp

Biopic über die Nonne, Klostergründerin Hildegard von Bingen.

Daten und Personen

Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Land: Deutschland, Frankreich
Jahr: 2009
Produktion: Markus Zimmer, Christian Baute
Regie und Buch: Margarethe von Trotta
Kamera: Axel Block
Musik: Chris Heyne, Hildegard von Bingen
Schnitt: Corina Dietz
Darsteller: Barbara Sukowa (Hildegard von Bingen), Heino Ferch (Mönch Volmar), Hannah Herzsprung (Richardis von Stade), Alexander Held (Abt Kuno), Lena Stolze (Jutta), Sunnyi Melles (Richardis’ Mutter), Paula Kalenberg (Clara), Mareile Blendl (Jutta von Sponheim), Stella Holzapfel (Hildegard als Kind), Annemarie Düringer (Äbtissin Tengwich), Devid Striesow (Kaiser Friedrich Barbarossa)
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 12

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