
»Hit it«, sagt Thelma zu Louise. Und Louise gibt Gas, fährt dem Ende entgegen, während B. B. King, der große Bluesmann, mahnt: »Don’t look back or you might wind up just cryin’.« Thelma (Geena Davis) und Louise (Susan Sarandon) haben die Vergangenheit hinter sich gelassen – und die Zukunft.
»Thelma & Louise« ist ein Film, über den die Meinungen weit auseinander gehen. Er wurde als feministisch gefeiert und als »chick flick« (als Mädchenfilm also) verdammt. Er wurde als absurd geschmäht und doch für etliche Oskars vorgeschlagen (den dann Callie Khouries Drehbuch erhalten hat).
Ridley Scott, britischer Regisseur von legendären Filmen wie »Alien« und »Blade Runner«, hat mit »Thelma & Louise« ein Roadmovie gedreht, das die klassischen Rollen komplett umkehrt: Statt zweier Männer oder eine Pärchens sind bei ihm zwei Frauen unterwegs: Louise, Kellnerin, will sich ein Wochenende Auszeit genehmigen, und überredet ihre Freundin Louise, ganz brave Hausfrau, mitzukommen, ohne ihren Ehemann Darryl (Christopher McDonald), so wie sie es gewohnt ist, um Erlaubnis zu fragen. Wie fast alle Männer im Film, ist Darryl eitel, schwanzgesteuert und der völligen Verblödung nahe – »Thelma & Louise« ist auch eine Komödie, in der die Kerle nicht gut wegkommen.
Mit einem grünen Thunderbird Cabrio brechen die beiden Frauen auf. Es soll in die Berge gehen, warme Klamotten sind eingepackt, und auch eine Pistole hat Louise eingesteckt, um sie bei Bedarf gegen Psycho-Killer, Bären oder Schlangen einsetzen zu können.
Tatsächlich werden die beiden nie die Berghütte erreichen. In der Kneipe »Silver Bullet« werden sie von Harlan (Timothy Carhart) angemacht. Thelma tanzt mit ihm, der good old boy schleppt sie nach draußen und versucht sie zu vergewaltigen – bis er in seinem Nacken die Mündung einer Pistole spürt: Louise steht hinter ihm. Harlan lässt ab von Thelma. Die Frauen wollen gerade gehen, da macht Harlan eine dämliche Bemerkung, die er nur Sekunden überleben wird: Louise erschießt ihn.
Von nun an sind Thelma und Louise auf der Flucht. Mexiko heißt das Ziel. Louises Freund Jimmy (Michael Madsen) versorgt sie mit Geld, wird jedoch von beiden nicht erfahren, was geschehen ist. Thelma lässt sich von J.D. (Brad Pitt), einem Tramper und angeblichen Studenten, blenden – mit unerquicklichen Folgen. Je weiter weg die Flucht beide Freundinnen von zu Hause wegführt, desto weiter weiter lassen sie ihre kleinbürgerlichen Existenzen hinter sich und werden zur Rächerinnen der Frauen.
Bis sie schließlich mit ihrem Thunderbird vorm Grand Canyon, hinter sich ein Großaufgebot der Polizei.
»Hit it«, sagt Thelma zu Louise.
Thomas Steinberg, 2004
Zwei Frauen auf einem blutigen Ausflug.
Thelma & Louise (Thelma & Louise)
Land: USA
Jahr: 1991
Genre: Roadmovie
Regie: Ridley Scott
Buch: Callie Khourie
Kamera: Adrian Biddle, David B. Nowell
Musik: Hans Zimmer u.a.
Schnitt: Thom Noble
Darsteller: Susan Sarandon (Louise), Geena Davis (Thelma), Harvey Keitel (Hal), Michael Madsen (Jimmy), Christopher McDonald (Darryl), Stephen Tobolowsky (Max), Brad Pitt (J.D.), Timothy Carhart, Lucinda Jenney, Jason Beghe, Noel Walcott
Produzenten: Percy Main, Dean O’Brien, Callie Khourie, Ridley Scott, Mimi Polk
Länge: 129 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: deutsche Synchronfassung
FSK: ab 16