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Sturm

Szene aus Sturm
Kerry Fox in der Rolle der Staatsanwältin.

Das Tribunal fresse einen auf. »Noch«, und das sagte Hildegard Uertz-Retzlaff der Süddeutschen Zeitung im Jahre 2002, »noch kann ich das aushalten – aber wer weiß, wie lange noch.« Uertz-Retzlaff hat ihrer eigenen pessimistischen Prognose zum Trotz durchgehalten, und wird es wohl ihren Job zu Ende bringen, denn noch 2010 soll der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) aufgelöst werden. Uertz-Retzlaff hat als Staatsanwältin in Den Haag über Jahre hinweg Kriegsverbrecher verfolgt und mit ihren Recherchen zum Foca-Prozees den Boden dafür bereitet, dass 2008 der UN-Sicherheitsrat einen überfälligen Beschluss fasste: Vergewaltigungen gelten seither als Kriegsverbrechen.

Bernd Lange, der Autor, und Hans-Christian Schmid, der Regisseur, haben für bei ihren Recherchen für »Sturm« mit Uertz-Retzlaff gesprochen, einer Frau, die ihrem jugendlichen Pazifismus längst abgeschworen hat, weil der eben nur für Friedenszeiten tauge. Dass die Nato auch ohne UN-Mandat seinen Luftkrieg führte, hielt sie für richtig, auch wenn die völkerrechtliche Grundlage fragwürdig ist und der Kriegsanlass wenigstens zweifelhaft: der so genannte Hufeisenplan, mit dem 1999 der grüne Außenminister Joschka Fischer und der sozialdemokratische Verteidigungsminister Rudolf Scharping den ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr rechtfertigten, scheint ebenso eine Geheimdienst-Manipulation sein wie die Beweise irakischer Massenvernichtungswaffen.

Doch es sind nicht solche Fragen, die »Sturm« verhandelt. Der ICTY ist eine Großbehörde, zu einem guten Teil mit sich selbst beschäftigt und angesichts des Zeitdrucks an pragmatischen Lösungen interessiert. Das muss auch Anklägerin Hannah Maynard (Kerry Fox) erfahren, die den Prozess gegen Goran Duric, einem Offizier der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee vorbereitet. Drei Jahre sitzt der mutmaßliche Kriegsverbrecher in Haft, die Beweise scheinen schlüssig – doch dann gelingt es der Verteidigung im Prozess sehr schnell, den Zeugen der Lüge zu überführen. Der Prozess droht zu scheitern, die Ankläger recherchieren in Bosnien – und der vermeintliche Zeuge begeht Selbstmord.

Drei Wochen bleiben Maynard, neue Beweise oder wenigstens Indizien zu finden. Den Schlüssel dazu scheint die in Berlin lebende Schwester des früheren Zeugen zu halten – diese weigert sich hartnäckig vor Gereicht auszusagen. Mit viel Geduld gelingt es Maynard, Mira Arendt (Anamaria Marinca) von der Wichtigkeit ihrer Aussage zu überzeugen. Aber dann trifft das Gericht eine unerwartet Entscheidung.

Thomas Steinberg, 2010

Kurz und knapp

Der vermeintlich sichere Prozess gegen einen ehemaligen serbischen General vor dem Haager Internationalen Strafgerichtshof droht zu platzen, als sich der Hauptbelastungszeuge in Widersprüche verstrickt. Die engagierte Staatsanwältin Hannah Maynard setzt alles in Bewegung, um eine Verurteilung des Mannes zu erreichen, der sich im Krieg der vielfachen Vergwaltigung schuldig gemacht haben soll.

Daten und Personen

Sturm
Land: Deutschland, Niederlande
Jahr: 2009
Genre: Thriller
Regie: Hans-Christian Schmid
Buch: Bernd Lange, Hans-Christian Schmid
Kamera: Bogumil Godfrejów
Musik: The Notwist
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Darsteller: Kerry Fox (Hannah Maynard), Anamaria Marinca (Mira Arendt), Stephen Dillane (Keith Haywood), Rolf Lassgård (Jonas Dahlberg), Alexander Fehling (Patrick Färber), Tarik Filipovic (Mladen Banovic), Kresimir Mikic (Alen Hajdarevic), Steven Scharf (Jan Arendt), Joel Eisenblätter (Simon Arendt), Jesper Christensen (Antony Weber)
Produktion: Britta Knöller, Hans-Christian Schmid, Marie Cecilie Gade, Bettina Brokemper, Frans van Gestel, Jeroen Beker
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 12
Preise: Bernhard-Wicki-Filmpreis 2009, Amnesty-International-Filmpreis 2009

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