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Sideways

Szene aus 'Sideways' - Mann trinkt Wein aus einem Eimer
Weinkenner Miles verkostet Wein.

Frauen möchten vieles sein. Schön und reich vielleicht. Und manchmal nur eine Weintraube. Dann aber eine Pinot Noir – um nur einmal so viele Worte der Zärtlichkeit aus dem Munde eines Mannes über sich zu hören: Eine Pinot Noir braucht viel Liebe, weil sie so »dünnschalig und verletzlich ist. Dabei steckt so viel in ihr, so viel Aroma, wie es im Leben nur geben kann«, sagt Miles (Paul Giamatti) zu Maja (Virginia Madsen), die ihm gegenüber sitzt und wartet und wartet und zusieht, wie nichts passiert.

Miles ist ein gescheiterter Schriftsteller, kann aber mit Worten immer noch besser umgehen als mit der Liebe. Die ist jetzt doch noch einmal in sein verloren geglaubtes Leben getreten. Der Mann ist Mitte Vierzig, jämmerlich geschieden und empfindet eigentlich nur noch Leidenschaft für edle Tropfen. Die würde er gerne teilen mit Jack (Thomas Haden Church) und lädt ihn zu einer einwöchigen Verkostungsreise durch die kalifornischen Weinberge ein – als Geschenk zum Junggesellenabschied.

Jack, abgehalfterter Schauspieler und alberner Draufgänger, kommt gerne mit, will sich aber vor seiner Hochzeit nicht stilvoll bilden, sondern sich ganz banal amüsieren. Gegen Wein hat er gar nichts: Bei einer guten Flasche lernt man schnell Frauen kennen, wie Stephanie (Sarah Oh), mit der er sogleich ins Bett steigt, – und auch kurze Zeit glaubhaft an eine gemeinsame Zukunft mit ihr denkt. Miles hingegen nähert sich Maja nur langsam und versucht vor allem seinen Freund zur Vernunft zu bringen.

Großartig gescheitert

Diese Freundschaft allerdings wird nie in Frage gestellt. Was die zwei miteinander verbindet, ist ihre Schwäche und die Tatsache, dass sie an ihren eigenen Ansprüchen ganz großartig gescheitert sind. Wer den anderen verrät, verrät sich selbst. Eine harte Probe ist die Landpartie trotzdem. Regisseur Alexander Payne lässt die beiden in seinem Road-Movie mit voller Wucht aus der Kurve fliegen und sieht zu, wie sie sich wieder aufraffen. Das tut er in einfühlsamer Zurückhaltung und in langen Einstellungen.

Die Selbstfindungsgeschichte fällt ähnlich subtil aus wie Paynes »About Schmidt«, ähnlich tragisch und ähnlich komisch. Doch wurde der neue Film des Amerikaners in Hollywood mit sehr viel mehr Dankbarkeit aufgenommen. Das mag schlicht daran liegen, dass mit zwei hilflosen Helden mehr Identifikationsmöglichkeiten geschaffen werden als nur mit einem komischen Kauz. Und an den Darstellern, die allen vermeintlichen Versagern dieser Welt einiges an Würde zurückgeben können. Thomas Haden Church verkommt in seiner Rolle als Playboy nie zum Clown. Und Paul Giametti (»American Splendor«) zeigt Mitleid erregend, wie weh es tut, wenn die Hysterie plötzlich über die Selbstbeherrschung siegt. Er ist es auch, der für ein überzeugend versöhnliches Ende sorgt.

Die Geschichte hört nicht auf, als er den 61er Wein für besondere Anlässe allein aus einem Pappbecher säuft. Er versucht es noch einmal tapfer und klopft an die Tür eines neuen Lebens. 2005 wurde »Sideways« mit für fünf Oscars nominiert – darunter auch für die Sparte »Bester Film«.

Ina Henrichs, 2005

Kurz und knapp

Zwei Mittvierziger auf Tour durch Kaliforniens Weinberge auf der Suche nach dem guten Tropfen, dem erotischen Abenteuer und auf der Flucht vor dem eigenen Versagen.

Daten und Personen

Sideways (Sideways)
Land: USA
Jahr: 2004
Genre: Komödie
Regie: Alexander Payne
Buch: Alexander Payne, Jim Taylor nach einem Roman Rex Pickett
Kamera: Phedon Papamichael
Musik: Rolfe Kent
Schnitt: Kevin Tent
Darsteller: Paul Giamatti (Miles Raymond), Thomas Haden Church (Jack), Virginia Madsen (Maya), Sandra Oh (Stephanie), Marylouise Burke (Miles‹ Mutter), Jessica Hecht (Victoria), Missy Doti (Cammy), M.C. Gainey (Cammys Mann)
Produzenten: Michael London, George Parra
Länge: 127 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: deutsche Synchronfassung
FSK: ab 6

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