
Irgendwann zog es Michel Gondry zur großen Form. Als Regisseurs von Videoclips hatte er es zu Ruhm gebracht und für die Stars der gearbeitet. Björk, die Stones, die White Stripes, Beck oder Radiohead setzte er auf nie zuvor gesehene Art und Weise in Szene. 2001 tat er sich mit einem ebenso erfolgreichen Kollegen zusamen: Spike Jonze produzierte Gondrys ersten Film »Human Nature«. Und wie für Jonzes »Being John Malkovich« hatte Charlie Kaufman das Drehbuch von »Human Nature« geschrieben, mit dem Gondry dann noch einmal bei »Vergiss mein nicht!« zusammenarbeitete.
Für »Scienece of Sleep« hat Gondry selbst das Drehbuch geschrieben. Und gibt darin die Anleitung, wie man aus Spaghetti, einer Schallplatte und Farbe Träume kocht.
Stephane (Gael Garcia Bernal) scheint der Kindheit nie entwachsen. Ein Tagträumer ist er, schlafwandelnd zwischen Realität und Phantasie – und Grafiker. Dem Rat seiner Mutter folgenden kehrt er zurück nach Paris, wo sie einen Traumjob für ihn ausgemacht haben will. Der indes entpuppt sich sehr bald als reichlich stupide, und von Stephane wird alles mögliche gefordert, nur bitte, bitte keine Phantasie.
Die lebt er um so stärker in der Phantasie aus. Dem Klavier kann er Wolken entsteigen lassen, der Rasierapparat mutiert zum Käfer und Stephane rächt sich auch an seinen Kollegen in der Firma. Sein Leben und Denken mag mehr und mehr von Realitätsverlust geprägt sein – Stephane bewohnt die wirklichste aller Welten. Bis eines Tages Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) Nachbarin von Stephane wird und er deren Einzug nur knapp überlebt. Stephane wird heimgesucht vom realsten aller Gefühle: der Liebe. Und damit beginnt das für Stephane ein Problem: Wie soll er Stéphanie seine Liebe erklären, wie in ihre Welt finden, die so weit von seiner durchs Lebensuniversum zu trieben scheint.
Gondrys Film ist so innovativ wie auf sympathische Weise altmodisch. In einer Zeit, da selbst am Computer generierte Bilder längst Kinoalltag geworden sind, verzichtet der Franzose genau darauf. Er arbeitet mit einfachsten Requisiten und alten Kinotricks wie der Rückprojektion. Und das Verblüffende: ein paar Wolken aus Watte wirken so real, als läge man im Sommer auf einer Wiese und beobachtete den Himmel. Aber das hat auch schon wieder wenig mit der Realität zu tun.
Thomas Steinberg, 2007
Ein junger Grafiker träumt sich ins Reich der Phantasie, woraus ihn ausgerechnet die Liebe zurückholt.
Science of Sleep – Anleitung zum Träumen (La science des revês)
Land: Frankreich
Jahr: 2006
Gerne: Komödie
Regie und Buch: Michel Gondry
Kamera: Jean-Louis Bompoint
Musik: Jean-Michel Bernard
Schnitt: Juliette Welfling
Darsteller: Gael García Bernal (Stéphane Miroux), Charlotte Gainsbourg (Stéphanie), Alain Chabat (Guy), Miou-Miou (Christine Miroux), Pierre Vaneck (Monsieur Pouchet), Emma de Caunes (Zoé), Aurélia Petit (Martine), Sacha Bourdo (Serge)
Produktion: Georges Bermann, Frédéric Junqua
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 6