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Owning Mahowny

Szene aus 'Owning Mahowny' - Mann am Roulette-Tische
Dan Mahowny spielt.

Brian Molony stimmte zu: ja, so sei es ihm ergangen. Freimütig lieferte er Regisseur Richard Kwietniowski zusätzliche Details für dessen Projekt, die Geschichte des größten Bankbetrugs zu verfilmen, der je einem Einzeltäter in Kanada gelungen ist. Brian Molony, Angestellter der Canadian Imperial Bank of Commerce, hatte in nur anderthalb Jahren seinen Arbeitgeber um 18 Millionen Doller erleichtert.

Im Film wird Brian Molony zu Dan Mahowny. Philipp Seymour Hoffman gibt ihn als bescheidenen Kleinbürger, gleichermaßen linkisch wie unsensibel, zurückhaltend und kalt berechnend, gierig und geizig. Mahownys Fassade (schütteres Haar, Übergewicht, abgetragenen Anzüge, klappriges Auto) entspricht nicht jener eines aufstrebenden Bankers. Wenn er trotzdem Karriere macht, dann weil seine Vorgesetzten sich von der Schärfe seines Verstandes beeindrucken lassen, seine analytischen Fähigkeiten schätzen und sein Zahlenverständnis bewundern. Mahowny genießt nahezu grenzenloses Vertrauen. Bei seinen Chefs und bei seinen Kunden, allen voran Mr. Oksaner mit seinem ungeheuren Kreditbedarf. Dieser Mr. Oksaner ist Mahownys wichtigster Kunde – und komplett seiner Phantasie entsprungen. Über ihn wickelt er all jene Geschäfte ab, von denen ausschließlich Mahowny profitiert. Jedenfalls so lange, bis er sein Geld in den Casinos von Las Vegas oder Atlantic City verspielt hat.

Stoisch dem Abgrund entgegen

Als Malony 1982 verhaftet wurde, gab er an, nie mehr als drei Tage ohne Wette durchgestanden zu haben. Er wettet um alles, er wettet mit jeden, stets getrieben von der Hoffnung, gewonnenes Geld sofort wieder aufs Spiel setzen zu können.

»Er will gewinnen, um wieder Geld verlieren zu können«, heißt es einmal in »Owning Mahony« über den Titelhelden von der traurigen Gestalt. Sein Leben kennt nur eine Bestimmung. Spielen, um jeden Preis.

Belinda (Minnie Driver), Mahownys Freundin, mag ahnen, dass er mit stoischem Gleichmut auf einen Abgrund zusteuert. Wahrscheinlich liebt Dan sie, soweit seine Besessenheit Raum lässt für Liebe zulässt. Ihn aber zu halten, dafür ist sie zu schwach.

So zieht es ihn immer wieder zu den Spieltischen. Dort entwickelt er sich zum hoch willkommenen Gast. Man müht sich besonders um ihn, als offenbar wird, dass dieser Kunde willens ist, ohne weiteres Millionen zu verspielen. Victor Foss (John Hurt), kalter Casinochef, stellt sein Privatflugzeug für diesen Mann bereit, dem indes Geldverschwendung ein Greuel scheint. Luxuriöse Suiten, Mädchen, Drogen – Mahowny scheint immun gegen flüchtigen Genüsse und nur am Spieltisch Ruhe zu finden, wo er ohne sichtbare Erregung verlieren und selten genug gewinnen kann.

Richard Kwietniowski, 1957 in London geborener Filmemacher (»Love and Death on Long Island«), hat mit Philipp Seymour Hoffman einen Mahowny-Darsteller gewählt, der bislang nur in Nebenrollen zu erleben war (u.a. in »Magnolia« und »Boogie Nights«). Eine richtige Entscheidung. Denn so grandios unprätentiös, wie Hoffman hier spielt, während Kwietniowski auf alle Dramatisierungen verzichtet, ist die völlige Selbstaufgabe eines Menschen noch nicht im Kino zu sehen gewesen.

Thomas Steinberg, 2005

Kurz und knapp

Ein leitender Angestellter erleichtert seine Bank um Millionen, um seine Spielsucht finanzieren zu können.

Daten und Personen

Owning Mahowny (Owning Mahowny)
Land: Kanada, Großbritannien
Jahr: 2003
Genre: Tragikomödie
Regie: Richard Kwietniowski
Buch: Maurice Chauvet nach dem Roman »Stung« von Gary Stephen Ross
Kamera: Oliver Curtis
Musik: The Insects, Richard Grassby-Lewis
Schnitt: Mike Munn
Darsteller: Philip Seymour Hoffman (Dan Mahowny), Minnie Driver (Belinda), John Hurt (Victor Foss), Maury Chaykin (Frank Perlin), Sonja Smits (Dana Selkirk), Ian Tracy (Ben Lock), Roger Dunn (Bill Gooden), Jason Blicker (Dave Quinson), Chris Collins (Bernie)
Produzenten: Andras Hamori, Seaton McLean, Alessandro Camon, Bradley Adams, Damon Bryant, Victoria Hirst
Länge: 105 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: O.m.U.

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