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Looking for Eric

Szene aus Looking for Eric
God himself: Éric Cantona.

Der Autounfall ist nicht mehr als das öffentliche Signal: Eric Bishops (Steve Evets) Leben ist völlig aus der Spur. Der Postbote bekommt nicht mehr auf die Reihe – weder privat noch beruflich. Manchmal hortet er Briefe zu Hause, statt sie auszutragen; sein zweite Frau ist ihm weggelaufen, seine Stiefsöhne machen was sie wollen. Er hat sich von seinen Freunden zurückgezogen, selbst der Fußball interessiert ihn nicht mehr. Eric hat sich eingerichtet inmitten einer veritablen Midlife-Crisis und grübelt über die Fehler seines Lebens. Antworten findet es nicht, vor allem nicht auf die zentrale Frage, warum er einst Lily (Stephanie Bishop) hat sitzen lassen, obwohl doch mit ihr alles anders war und alles besser, als er es zuvor oder später mit einer Frau erlebt hat.

Der Regisseur Ken Loach gehört mit seinen Arbeiten zu den zuverlässigsten Regisseuren des britischen Kinos, seit 1966 drehte er im Schnitt alle zwei Jahre einen neuen Film. Und er ist ein Regisseur, der sich in seinen Komödien und Dramen stets treu bleibt, sie mögen nun in der Gegenwart spielen oder in der Vergangenheit – es sind die kleinen Leute, die ihn interessieren

Jedenfalls im Prinzip. Denn dem ausgebrannten Postboten hat Loach eine Mann zur Seite gestellt, den seine Verehrer, und derer gibt es viele, »The King« nennen. Éric Cantona, ehemaiger Top-Stürmer, dessen unbändiges Temperament und Streitlust ihm immer wieder Ärger bescherte, so dass schließlich kein französischer Verein ihn mehr in seinen Reihen haben wollte, so dass er auf die Insel wechselte und dort vor allem bei Manchester United Tore schoss – die Anhänger des Vereins wählten ihn zum wichtigsten ManU-Spieler im 20. Jahrhundert. Mit 31 Jahren hatte Cantona genug vom Fußball, verließ den Rasen – und blieb doch nicht ohne Publikum, übernahm er doch Nebenrollen in Filmen und war so unter anderem in Shekhar Kapurs »Elisabeth« zu sehen. Er malte, spielte Trompete (zur Musik war er während einer neunmonatigen Sperre gekommen, die er sich wegen eines Kung-Fu-Tritts gegen einen Zuschauer eingehandelt hatte). Nebenher wurde er Trainer der französischen Beachsoccer-Mannschaft und machte die nicht weniger erfolgreich als die Équipe Tricolore.

Cantona war es schließlich, der auf Ken Loach und dessen langjährigen Drehbuchautor Paul Laverty die Idee zu einem Film vorstellte, in dessen Mittelpunkt ein Cantona-Fan stehen sollte. Doch der Stoff wollte sich nicht fügen, am Ende stand ein anderer Film, eben »Looking for Eric«, in der Cantona zu einer Art personal trainer für Eric Bishop wird, ihn mit Zähigkeit und der Hilfe der Post-Kollegen dazu bringt, sein Leben endlich wieder in die eigenen Hände zu nehmen und sich vor Lily nicht mehr wegzuducken.

Thomas Steinberg, 2010

Kurz und knapp

Ein Postbote steckt fest in der Midlife-Crisis, aus der ihn ein Idol heraushilft – der einstige Fußball-Star Éric Cantona.

Daten und Personen

Land: Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien, Spanien
Jahr: 2009
Genre: Komödie
Regie: Ken Loach
Buch: Paul Laverty
Kamera: Barry Ackroyd
Musik: George Fenton
Schnitt: Jonathan Morris
Darsteller: Steve Evets (Eric Bishop), Eric Cantona (Eric), Stephanie Bishop (Lily), Gerard Kearns (Ryan), Stefan Gumbs (Jess), Lucy-Jo Hudson (Sam), John Henshaw (Meatballs), Justin Moorehouse (Spleen), Des Sharples (Jack), Greg Cook (Monk)
Produktion: Rebecca O‹Brien, Eric Cantona, Pascal Caucheteux, Vincent Maraval
FSK: ab 12
Länge: 117 Minuten

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