
Der Titel lässt keine Zweifel aufkommen, welcher Film Pate gestanden hat: « Il buono, il brutto, il cattivo« heißt ein Film von Segio Leone aus dem Jahr 1966, als »The Good, the Bad and the Ugly« kam er in englischsprachigen Ländern auf den Markt. Der Film gilt, wie viele andere von Leone, längst als Klassiker eines sehr speziellen Genres: des Spaghetti-Western, das Anfang der 60er Jahre entstand, 15 Jahre später bereits wieder verschwunden war und ausschließlich von italienischen Regisseuren (wenngleich gelegentlich unter amerikanisch klingenden Pseudonymen) bedient wurde. Die Italowestern gingen mit dem in die Jahre gekommenen Vorbild nicht allein ironisch um, sie entwickelten teilweise eine ganz eigene Ästhetik.
Der Südkoreaner Ji-woon Kim dreht zwar seit mehr als einem Jahrzehnt Filme, hat mit seiner ganz unterschiedlichen Arbeiten längst eine weltweite Anhängerschaft gewinnen können – in deutschen Kinos lief von ihm allerdings bislang kein Film. Mit »The Good, the Bad, the Weird« ändert sich dies, einem »Oriental Western«, wie Kim seinen Film nennt. Dabei bezieht er sich durchaus auf die Italowestern, um wie dessen Regisseure etwas sehr eigenes aus dem Vorbild zu machen. Während diese die Handlungsorte in Amerika beließen, verlegt Kim diese, und schon das ist ein Genrebruch, in die Mandschurei. Die liegt im Nordosten Chinas, wurde von Japan und Russland beansprucht, so dass es Anfang des vorigen Jahrhunderts in der Mandschurei immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen kam. Die Gegend glich schließlich einem Irrenhaus: Russland (und später die Sowjetunion) mischten sich bis zum Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr ein, die Mandschurei wurde zeitweise von einem Rebellenführer beherrscht, von einer japanischen Armee besetzt, angeblich ohne entsprechenden Befehl. Die Japaner setzte den letzten chinesischen Kaiser Pǔ Yí als Kaiser von Mandschuko ein und errichteten einen Marionettenstaat, um die Rohstoffe des Landes ausbeuten zu können.
Für Kim bildet dieses Absurdistan die ideale Kulisse, um seinen Irrsinn zu inszenieren. Er lässt drei Männer in immer neuen Konstellationen einer Schatzkarte hinterher jagen. Und so wie Kim den Darstellern (oder deren Doubles) ganz erstaunliche Stunts abverlangt, so noch mehr der Kamera, die, bei Leone oftmals bis zum Stillstand verlangsamt, nun bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt erscheint.
Thomas Steinberg, 2009
Der erste »Oriental Western«.
The Good, the Bad, the Wierd (Joheunnom nabbeunnom isanghannom)
Land: Südkorea
Jahr: 2008
Regie: Kim Ji-woon
Buch: Kim Ji-woon, Kim Min-suk
Kamera: Lee Mo-gae, Oh Seung-Chul
Musik: Dalparan, Jang Yeong-gyu
Schnitt: Nam Na-young
Darsteller: Song Kang-ho (The Weird), Lee Byung-hun (The Bad), Jung Woo-sung (The Good), Ryu Seung-soo (Man-gil), Ryu Chang-sook (Granny), Suh Jae-sik (Sohn Byung-ho)
Produktion: Choi Jae-Won
Länge: 130 Minuten
FSK: ab 16