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Gigante

Szene aus Gigante
Jaras Traumfrau.

Für Jara (Horacio Camandule) ist die Welt in Ordnung. Er will nichts von ihr und hält deshalb Distanz; das Leben der anderen findet für ihn vor allem auf Monitoren statt. Vor diesen sitzend beobachtet er als Wachmann in einem Supermarkt deren Treiben mit wenig Interesse Nacht für Nacht und lässt sich selten von seinen Kreuzworträtseln abbringen, die neben Heavy Metal die einzige Obsession des Junggesellen zu sein scheinen. Großzügig sieht er weg, wenn sich andere Mitarbeiter kleiner Verfehlungen schuldig machen – Jara ist ein gelassener Big Brother.

Uruguay ist eines der Länder, das außerhalb des üblichen Aufmerksamkeitshorizonts auch des interessierten Mitteleuropäers liegt, mehr als einige inhaltsleere Stichworte fallen kaum jemanden zu diesem 3-Millionen-Einwohner-Land ein. Und uruguayischer Film? Während das benachbarte Argentinien seit einigen Jahren regelmäßig mit Kinoproduktionen zumindest in deutschen Programmkinos gewisse Erfolge verbuchen kann, gilt dies nicht für Uruguay. Was auch daran liegt, dass dort jährlich nur zwei, drei Filme gedreht werden. Doch darunter finden sich Perlen wie »Whisky« oder jetzt eben »Gigante« des Regiedebütanten Adrián Biniez, eines Argentiniers übrigens, der indes seit einigen Jahren in Montevideo lebt.

Mit »Gigante« gelingt es ihm, dem arg ausgeleierten Genre der romantischen Komödie neues Leben einzuhauchen. Er verzichtet auf das übliche personal, seine Protagonisten sind keine arrivierten Leute, sondern Wachmann und Putzfre, die, durchaus in der Lage sind, sich zu verlieben. Angesichts der üblichen Kino-/Literaturklischees vermag das durchaus zu überraschen – die Zuschauer wie auch Jara selbst, dessen Leben in eewig gleichen Bahnen läuft, ohne dass er daran Anstoß nehmen würde.

Aus der Bahn wird er geworfen, als er eines Tages Julia (Leonor Svarcas) auf seinem Überwachungsmonitor erblickt. Zunächst lacht er über deren tollpatschiges Ungeschick – und wird fortan nicht mehr von ihr loskommen. Jara verliebt sich aufs heftigste, und wenn der Zustands des Verliebtsein ohnehin dem einer mehr oder minder heftigen Verblödung ähnelt, ist es für Jara doppelt problematisch: Der Mann ist so groß wie schüchtern, reden nicht sein Ding.

Statt Julia anzusprechen, verfolgt er sie mit seinen Kameras, wird nervös, wenn er sie aus dem Blick verliert und stellt insgeheim den ganzen Supermarkt auf de Kopf, wenn es gilt, sie vor vermeintlichem Unbill zu bewahren. Aus der Deckung heraus macht er ihr Geschenke, die sie nicht deuten kann und fängt an, sie tagsüber regelrecht zu beschatten, ihr auf Schritt und Tritt zu verfolgen um immer ratloser angesichts dieser Frau zu werden, immer verliebter auch, und einfach keine Idee zu haben, wie er sich ihr entdecken könnte.

Thomas Steinberg, 2009

Kurz und knapp

Eine romantische Komödie aus Uruguay, die auf ungewöhnliche Protagonisten setzt und ohne Schenkelklopferhumor auskommt.

Daten und Personen

Gigante
Land: Uruguay, Deutschland, Argentinien, Spanien, Niederlande
Jahr: 2009
Genre: Komödie
Regie und *Buch:*Adrián Biniez
Kamera: Arauco Hernández Holz
Musik: Adrián Biniez
Schnitt: Fernando Epstein
Darsteller: Horacio Camandule (Jara), Leonor Svarcas (Julia), Fernando Alonso (Julio), Diego Artucio (Omar), Ariel Caldarelli (Jaras Chef), Andres Gallo (Fidel), Fabiana Charlo (Mariela), Néstor Guzzini (Tomás), Federico García (Matías), Ernesto Liotti (Danilo), Carlos María Lissardy (Kennedy)
Produktion: Fernando Epstein, Natacha Cervi, Christoph Friedel, Hernán Musaluppi, Frans van Gestel
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 6
Preise: u.a. Silberner Bär auf der Berlinale 2009
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