
Im Original heißt der Film ganz einfach »A Christmas Story«. Und er hat in den USA etwa den Kultstatus, wie hierzulande »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Für viele Amerikaner ist Weihnachten ohne diesen Film aus dem Jahre 1983 einfach nicht Weihnachten – jedes Jahr schalten 15 Prozent aller Amerikaner am 24. und 25.12. wegen dieses Films den Fernseher ein. Während jedoch »Drei Haselnüsse« als witzig-romantische Märchenverfilmung daherkommt, handelt es sich bei Bob Clarks Film um eine Komödie, die im Laufe der Jahre nichts von ihrer Charme eingebüßt hat.
»Fröhliche Weihnachten« scheinen dem neunjährigen Ralphie (Peter Billingsley) nicht bevorzustehen. Ganz im Gegenteil: je näher die Feiertage rücken, desto unerträglicher wird sein Leben. Denn nicht nur hat er Ärger mit dem nervigen kleinen Bruder und einem boshaften Mitschüler – viel schwerer wiegt, dass keiner der Erwachsenen seinen sehnlichsten Weihnachtswunsch ernst zu nehmen scheint. Und nicht nur das: in dem sie sich um ihn sorgen, scheinen sie ihn selbst nicht ernst zu nehmen. Wann immer er den Wunsch nach einem Luftgewehr der Marke Red Ryder äußert – ein Muss für weißes Mittelstands-Jungs in den USA der 40er und 50er Jahre – äußert, wird im beschieden: »Nein, du wirst dir das Auge ausschießen«. So smart es Ralfie anstellen zu sucht – immer wieder bekommt er diesen Satz zu hören. Als er dann noch in eine Prügelei verwickelt wird, lässt er zur eigenen Überraschung seinen ganzen Frust am Klassengroßmaul aus. Und das alles, um am Weihnachtstag ein Hasenkostüm unter dem Weihnachtsbaum zu finden…
Der Regisseurs der Films, der 2007 bei einem Autounfall ums Leben gekommene *Bob Clark«, hatte mit diesem Film einen für sich fast einmaligen Glücksgriff getan. rund 30 Filme hatte er gedreht, war mit dem (heute weitgehend vergessenen) »Ein Sommer in Manhattan« sogar für den Oscar nominiert, doch dafür gleich zweimal für die Goldene Himbeere als schlechtester Regisseur. Nicht völlig zu unrecht, die meisten seiner Filme waren ausgesprochen belanglos.
Um so mehr sticht »Fröhlich Weihnachten« aus dem farblosen Werk dieses Filmemachers hervor: hier zügelt er seine Lust am krachigen Schenkelklopfer zugunsten eine leicht ironischen Humors, hier nimmt er Kinder ernst, hier wird er auf durch und durch sympathische Weise Nostalgiker. Und vielleicht ist »Fröhliche Weihnachten« doch nichts anderes als »Drei Haselnüsse« – eine witzig-romantische Märchenverfilmung.
Thomas Steinberg, 2009
Der Weihnachtsfamilienfilm in den USA schlechthin: Ein Junge wünscht sich ein Luftgewehr zum Weihnachtsfest und bekommt immer wieder ein »Nein« zu hören.
Fröhliche Weihnachten (A Christmas Story)
Land: USA
Jahr: 1983
Genre: Komödie
Regie: Bob Clark
Buch: Jean Shepherd, Leigh Brown, Bob Clark nach Kurzgeschichten von Jean Shepherd Kamera: Reginald H. Morris
Musik: Carl Zittrer, Paul Zaza
Schnitt: Stan Cole
Darsteller: Peter Billingsley (Ralphie), Melinda Dillon (Mutter), Darren McGavin (Vater), Scott Schwartz (Flick), Jan Petrella (Randy)
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 6