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Dave Chappelle’s Block Party

Szene aus Dave Chapelles Block Party - Erykah Badu
Erykah Badu.

Es nieselt. Dafür sind kaum Zuschauer da. Und der Sound, nein, das ist eigentlich kein Sound. So könnte es einmal gewesen sein, damals, in den Siebzigern, als man sich traf an der Ecke, eine kleine Anlage aufstellte und aus dem Nichts eine HipHop-Party feierte.

Am 18. September 2004 steht Kanye West auf der Bühne. Und singt und rappt, als spiele er vor einem vielzehntausendköpfigen Publikum in irgendeiner Mega-Arena. Doch die Bühne ist aufgeschlagen im New Yorker Stadtteil Brooklyn, genauer im Brooklyner Kiez Bedford-Stuyvesant. Bed-Stuy, in den 80er berüchtigt und gefährlich, erlebt gerade einen Aufschwung, ohne reich geworden zu sein. Dort, vor den schönen, teils einen wilden Stilmix zelebrierenden Brownstone-Häusern, hat Dave Chappelle die geeignete Kulisse und die Menschen gefunden, um seine »Block Party« zu feiern.

Chappelle war einst Star-Komiker bei MTV. Bis er einen Multi-Millionen-Dollar-Vertrag ausschlug. Er wollte einfach nicht mehr, sah seine Integrität gefährdet, und tritt jetzt ab und zu als Stand-Up-Comedian auf, wo er weiter seinen schrägen, politisch unkorrekten Witz pflegt, der ihn berühmt machte. Rassenklischees vor allem sind sein Thema. So sucht er einmal einen Waschsalon auf in voller Ku-Klux-Klan-Montur, um seine Kutte reinigen zu lassen. Das ist nicht witzig genug? Doch: Chappelle nämlich ist schwarz.

»Dave Chappelle‹s Block Party« ist ein Dokumentarfilm, der schon mal mit »Buena Vista Social Club« verglichen worden. Tatsächlich ist »Block party« völlig anders angelegt. Während Ry Cooder und Wim Wenders fast verschollene Musiker aufspüren, sucht Chappelle das Publikum für seine Block Party.

Diese Suche beginnt fernab von New York, in Ohio. Chappelle ist mit Megaphon unterwegs und lädt von der Straße weg Leute ein. Das macht er mit viel Witz, auf den seine zufälligen Gesprächspartner nur gerne einsteigen. »Dave Chappelle‹s Block Party« lebt von einer lockeren Spontanität, die Regisseur Michel Gondry adäquat wiederzugeben versteht. Und das ist schon verblüffend, hat sich doch Gondry vor allem einen Namen als Videoclip-Regisseur für Björk, Massive Attack und andere gedreht, bei denen nichts, gar nichts, dem Zufall überlassen bleibt. So kann Chappelle ein paar Teenager zum Jubeln bringen, weil er ihnen Karten für die Backstage schenkt. Er schwatzt mit der Besitzerin eines Tabakladens, engagiert von der Stelle weg eine Marching Band für den Auftritt in Bed-Stuy.

Die Stars dagegen hat Chappelle im Vorfeld angeheuert. Und sie haben alle zugesagt für diese ungewöhnliche Party. Nicht jene von leicht bekleideten Mädchen umtanzten mit den fetten Goldketten behängten und längst zur Karikatur ihrer selbst verkommen Rapper. Sondern jene Rapper, R’n’B- und Soulsänger, die tatsächlich noch eine Botschaft haben, politisch denken, immer noch wissen, woher sie kommen. Und die bereit sind, auf die totale Inszenierung zu verzichten. Zum Line-up gehören die Besten, was Black Music derzeit zu bieten hat: Common, The Roots, Erykah Badu, Jill Scott (die schon mal ihren neuesten Pickel vorstellt), Mos Def, Big Daddy Kane, Dead Prez.

Kanye West hat es geschafft. Das Publikum kommt geströmt. Es wird ein Konzert erleben, an dem die Musiker so viel Spaß haben wie die Menschen vor der Bühne. Und vor allem Dave Chappelle. Dem es sogar gelungen ist, die verstrittenen Fugees für einen Auftritt zu versöhnen. Und so wird Lauryn Hill am Ende ein Lied singen, das sie jahrelang nicht mehr zum Besten gegeben hat: »Killing me softly«.

Thomas Steinberg, 2006

Kurz und knapp

Der Starkomiker Dave Chappelle lädt zu einem außergewöhnlichen Konzert.

Daten und Personen

Dave Chappelle’s Block Party
Land: USA
Jahr: 2004
Regie: Michel Gondry
Buch: Dave Chappelle
Kamera: Ellen Kuras
Musik: Cory Smith
Schnitt: Jeff Buchanan, Sarah Flack
Darsteller: Dave Chappelle, Erykah Badu, Bilal, Lil’ Cease, Cody Chestnutt, Keyshia Cole, Common, Mos Def, Jerry »Wonder« Duplessis, Alice Goguen, James »Kamal« Gray, Fred Hampton Jr., Lauryn Hill, Leonard ›Hub‹ Hubbard, Darren Hymes, Wyclef Jean, Big Daddy Kane, Talib Kweli, John Legend, Martin Luther, Pharoahe Monch, Pras, Dead Prez, Kool G. Rap, Jill Scott, Ahmir-Khalib Thompson, Tariq Trotter, Kanye West, Arthur Wood, Cynthia Wood
Länge: 103 Minuten
FSK: o.A.

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