
Es war einmal Vianne, die mit ihrer kleinen unehelichen Tochter vom Nordwind in das französisches Dorf Lansquenet-sous-Tannes geweht wurde. Die Nomadin, schön und schlagfertig, mietet sich in einer leer stehenden Bäckerei ein – direkt gegenüber der Kirche und eröffnet ausgerechnet zur Fastenzeit eine Chocolatérie. Damit macht sie alles falsch, was eine Zugereiste in der Provinz falsch machen kann. Und tut das einzig Richtige, um Stoff für ein Märchen zu liefern. Das Gute tritt gegen das Böse an, die Sinnlichkeit gegen die Prüderie, der Fortschritt gegen das Althergebrachte.
Wer gewinnt – das ist freilich kein Geheimnis. Lasse Hallströms »Chocolat« ist ein farbenschönes Plädoyer für die Menschlichkeit. Für die Toleranz, für die Lebensfreude. Die Botschaft hatte der schwedische Regisseur bereits in »Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa« auf die Leinwandgebracht. Die Lieblichkeit indes erinnert eher an seinen Film »Wir Kinder von Bullerbü«.
Der Film irgendwo in Frankreich taucht zwar in den Kritiken immer wieder als Frauenfilm auf. Nun dürften aber auch hinreichend Männer auf den Geschmack der romantischen Komödie gekommen sein: Weniger dank der Schokolade, sondern wegen der Prise Chili in den Pralinen. An den Mann gebracht von Juliette Binoche, eine der Großen des französischen Films, die in diesem Hollywoodstreifen die geheimen Gelüste widerspenstiger Kerle zu wecken vermag. Als Vianne kennt sie die Sehnsüchte der verkümmerten Dörfler und verabreicht ihnen magische Süßigkeiten.
Es hilft. Vianne kommt als Störenfried und bleibt als Befreierin. Oscarreif beißt sich Juliette Binoche in dieser Rolle durch: 2000 wurde sie zumindest für die Trophäe nominiert.

Es blieb nicht bei dieser einen Nominierung. Auch Robert Nelson Jacobs hatte die Ehre. Er setzte die Romanvorlage von Joanne Harris um. Und so ist auch das Drehbuch reich an Charakterköpfen und Nebenhandlungen, die der vorhersehbaren Geschichte doch noch Spannung verleihen. Dass der Film derart einschlug, liegt sicher auch an der Besetzung der kleinen Rollen mit großen Namen. Der sittenstrenge Bürgermeister wird gespielt von Alfred Molina. Als Liebhaber und Zigeuner ist Johnny Depp zu sehen. Und Viannes Vermieterin, Armandine, ist Judi Dench, die für diese Rolle ebenfalls für den Oscar nominiert wurde. Sie taucht in einer der rührendsten Episoden des Films auf: Sie darf ihren Enkel nicht sehen, der von seiner überängstlichen Mutter abgeschirmt wird. »Der Junge pinkelt nicht mal ohne ihre Erlaubnis.« Das soll sich ändern. Konfekt wirkt manchmal Wunder.
Regisseur Lasse Hallström musste auf eine Oscar-Nominierung verzichten, hatte aber mit »Gottes Werk und Teufels Beitrag« bereits im Jahr da vor auf der Liste gestanden.
Ina Henrichs, 2003
Vianne eröffent in einem französischen Städtchen eine Chocolaterie. Vor allem der Bürgermeister sieht dadurch die Moral der Bewohner gefährdet.
Chocolat (Chocolat)
Land: USA
Jahr: 2000
Genre: Komödie
Regie: Lasse Hallström
Buch: Robert Nelson Jacobs nach einem Roman von Joanne Harris
Kamera: Roger Pratt
Musik: Rachel Portman
Schnitt: Andrew Mondshein
Darsteller: Juliette Binoche (Vianne Rocher), Lena Olin (Josephine Muscat), Johnny Depp (Roux), Judi Dench (Armande Voizin), Alfred Molina (Comte de Reynaud), Peter Stormare (Serge Muscat), Victoire Thivisol (Anouk), Aurelien Parent-Koenig (Luc Clairmont), Carrie-Anne Moss (Caroline Clairmont), Leslie Caron (Madame Audel), John Wood (Guillaume Blerot)
**Produzenten: David Brown, Kit Golden, Leslie Holleran, Mark Cooper
Länge: 121 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: deutsch
FSK: ab 6