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Chicken Run - Hennen rennen

Szene aus Chicken Run: Aufseher im Hühnerlager: Mr. und Mrs. Tweedy.
Aufseher im Hühnerlager: Mr. und Mrs. Tweedy.

Die Knete lebt. Jedenfalls wenn Nick Park sie in die Finger bekommt und zu Federvieh formt: die mutige Henne Ginger zum Beispiel oder den eitlen Rocky Rhodes.

Park und sein Regiekollege Peter Lord haben mit »Chicken Run« ihren ersten abendfüllenden Knet-Animations-Film vorgestellt. Was Park zuvor mit den legendären Wallace-&-Gromit-Filmen erreicht hatte – ein Millionen-Publikum zu begeistern – gelang dem Duo mit »Chicken Run« ein weiteres Mal. Zugleich räumten sie mit einem weitverbreiteten Vorurteil auf: dass Hühner recht blöde Vögel seien. Wäre nämlich »Chicken Run« mit Schauspielern besetzt worden, wäre ein sehr gewöhnliches Drama à la Hollywood das Ergebnis gewesen. Die Hühner formten aus dem Stoff eine grandiose Komödie.

Dabei scheinen die Umstände ihrer Existenz alles andere als fröhlich. Die Hühnerhaltung der Tweedys erinnert an ein Straflager: Windschiefe Baracken dienen den Hennen als Behausung, sie vegetieren hinter einem hohen Zaun, werden beständig überwacht und ausgebeutet. Wer zu wenige Eier legt, auf den warten zuerst das Beil und dann der Fleischwolf. Längst haben Mrs. und Mr. Tweedy den Widerstand des Federviehs gebrochen. Einzig Ginger probt immer wieder – und erfolglos – die Flucht.

Vom Huhn zur Pastete

Nur flattern, nicht fliegen zu können – ein Entkommen scheint unmöglich. Bis eines Tages Rocky Rhodes mitten im Hühner-Straflager landet. Wer landet, muss vorher geflogen sein, muss also fliegen können, glaubt Ginger. Und Rocky bestärkt sie in ihrer Überlegung, macht sich anheischig, all den Hennen zu lehren, wie die Erdenschwere überwunden werden kann.

Gern zeigen sich die Hühner erkenntlich, verwöhnen den jungen und attraktiven Rocky, dessen Lehrstunden zum Desaster geraten und in seiner Flucht enden.

Unterdessen wird die Situation für die Hennen immer bedrohlicher, nachdem Mrs. Tweedy erkennt, dass mit Eiern kein Geld mehr zu machen ist und ihr Mann an einer mörderischen Maschine werkelt: Vorn ein Huhn hinein gestopft, soll am Ende hübsch verpackt »Mrs. Tweedy’s Chicken Pie« vom Band laufen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, als auch das dümmste Huhn begreift, dass die ungewisse Freiheit dem sicheren baldigen Tod allemal vorzuziehen ist und der Versuch lohnt, die Flucht mit einem selbstgebauten Flugzeug zu wagen.

Szene aus 'Chicken Run': Lauter Hühner.
Chickens don't run.

Die Produktion von »Chicken Run« war ungleich aufwendiger, als die der »Wallace & Gromit«-Filme, allein wegen der viel höheren Anzahl von Figuren, die es zu bewegen galt. Vier Jahre nahm die Vorbereitung in Anspruch. Rund 200 Animateure waren am Werk. Von jeder Henne wurden zwei Modelle hergestellt: ein kleines und ein großes. Ihre Körper bestanden aus einem Metallgerippe, der Rumpf wurde in Silikon modelliert, weil dies widerstandsfähiger ist als Plastilin, das für die beweglichen Körperteile eingesetzt wurde.

Lohn der Mühe: Am Ende sitzen hunderte Hühner auf einer Insel, genießen die süße Freiheit. Und Ginger und Rocky haben sich auch gefunden. Denn in Rocky, wir haben es stets geahnt, steckte doch ein Held.

Thomas Steinberg, 2004

Kurz und knapp

Ein Hühnerhof probt den Aufstand. Ebenso aufwendiger wie witziger Animationsfilm mit Plastilinfiguren.

Daten und Personen

Chicken Run (Chicken Run)
Land: Großbritannien, USA
Jahr: 2000
Genre: Animationsfilm
Regie und Buch: Nick Park, Peter Lord
Kamera: Tristan Oliver, David Alexander Riddett
Musik: Harry Gregson-Williams, John Powell
Schnitt: Mark Solomon
Stimmen: Julia Sawalha (Ginger), Mel Gibson (Rocky), Miranda Richardson (Mrs. Tweedy), Tony Haygarth (Mr. Tweedy), Phil Daniels (Fetcher), Lynn Ferguson (Mac), Jane Horrocks (Babs), Timothy Spall (Nick), Imelda Staunton (Bunty), Benjamin Whitrow (Fowler) u.a.
Produzenten: Peter Lord, Nick Park, David Sproxton
Länge: 91 Minuten
Format: Farbe
Sprachversion: Original mit deutschen Untertiteln
FSK: ab 12

Links

Ebenfalls aus dem Aardman-Studio: »Wallace & Gromit«

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