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Brinkmanns Zorn

Szene aus 'Brinksmanns  Zorn' - Mann unter einer Brücke
Eckhard Rhode wird Rolf Dieter Brinkmann.

Ausgerechnet Köln. »Selbst der Wind hat es hier eilig«, schrieb einst Arno Schmidt. Doch Schmidt befand sich nur auf der Durchreise, während Rolf Dieter Brinkmann, 1940 in Vechta geboren, im Alter von 22 Jahren in die so genannte Domstadt gezogen war. Und dort, an den Ufern des Rheins, wurde er der wütendste und radikalste Schriftsteller, den Nachkriegsdeutschland hervorgebracht hatte. Hemmungslos subjektiv, voller Wut, und trotzdem ein genauer Beobachter seiner Zeit, in der eine selbstzufriedene Spießigkeit sich wie Mehltau über alles legte. Wenn je ein deutscher Autor dem Underground zugerechnet werden konnte, dann Brinkmann.

Heute ist Brinkmann nahezu vergessen. Insofern ging Regisseur Harald Bergmann ein doppeltes Risiko ein, als er sich daran machte »Brinkmanns Zorn« zu schildern. denn nicht nur einem Vergessenen stellt er in den Mittelpunkt seines Films, sondern auch einen Radikalen, einen Dichter, der mehr und mehr seinem Medium, der Sprache misstraute.

Doch Bergmann, erfahren darin, Literatur ins Kino zu transformieren, hat einen Weg gefunden, dem ungebärdigen und leidenden und leidenschaftlichen Brinkmann gerecht zu werden – und seinem Werk. Brinkmann, schon 1975 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, hatte im Laufe seines Lebens seine literarischen Methoden immer wieder verändert und war zu einem manischen Sammler des Fragmentarischen geworden. Und immer häufiger benutzte er die Super-8-Kamera und das Tonbandgerät als Werkzeuge, er hortet Zeitungsausschnitte und Postkarten und montiert das so gewonnene Material virtuos.

Aus diesem Fundus schöpft Bergmann. Und der Schauspieler Eckhard Rhode wird zu Brinkmann. Rhode gibt der Stimme Brinkmanns einen Körper, er wird geradezu zu Brinkmann, streift durch Köln und wütet, während seine Lippen synchron die Worte des Dichters formen. Bergmann macht sich die Methoden Brinkmanns zu eigen, und erschafft damit das Porträt eines Dichters, wie es selten präziser und fesselnder gezeichnet wurde.

Thomas Steinberg, 2007

Kurz und knapp

Ungewöhnliches Porträt das aufsässigen Dichter Rolf Dieter Brinkmann.

Daten und Personen

Brinkmanns Zorn
Land: Deutschland
Jahr: 2006
Produktion: Harald Bergmann, Wilfried Reichart
Regie, Buch und Schnitt: Harald Bergmann
Kamera: Harald Bergmann, Elfi Mikesch
Schnitt: Harald Bergmann
Darsteller: Eckhard Rhode (Rolf Dieter Brinkmann), Alexandra Finder (Maleen Brinkmann), Martin Kurz (Robert Brinkmann), Rainer Sellien (Henning), Isabel Schosnig (Linda), Baki Davrak (Konrad)
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12

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