
Nicht nur die Vögel auf dem Dach, die Regisseur Neil Jordan zu Beginn zwitschern lässt, wissen es. Das Städtchen Tyreelin findet es merkwürdig: Dass da ein Baby Pater Bernhard (Liam Neeson) ein Findelkind auf seiner Türschwelle entdeckt, einige Zeit, nachdem die junge Haushälterin beim ihm ausgezogen und verschwunden ist. Da kann man, da muss man Zusammenhänge konstruieren.
Für »Breakfast on Pluto« hat Neil Jordan mit Patrick Braden (Cillian Murphy) eine Figur geschaffen, die aus der Zeit gefallen ist und doch genau in sie passt. Die als Außenseiter stets im Mittelpunkt steht. »Breakfast on Pluto« zeigt einen Narren, einen Schelm, wie man ihn kennt aus den alten Barockromanen: ohne Arglist, neugierig, offenherzig. Manche erliegen Patricks Charme, auch und gerade nachdem er sich entschlossen hat, sich Kitten zu nennen und als Frau zu leben, andere werden ihm nach dem Leben trachten.
Patrick (als Junge: Cillian Murphy) wächst auf bei der Kneiperin Ma Braden (Ruth McCabe). Er ist etwa 10 oder 11 Jahre, als er zum ersten Male davon hört, bei Stiefeltern aufzuwachsen: Ma Braden verflucht angewidert den Tag, an dem sie Patrick aufgenommen hat. Gerade hat sie ihn im Röckchen seiner Stiefschwester erwischt. Nach und nach erfährt er einige Details: dass seine Mutter Eily Bergin (Eva Birthistle) heiße, als die schönste Frau in Tyreelin gegolten habe und vermutlich in London lebe. Ein Scheck von Pater Bernhard an Ma Braden klärt endgültig die Zusammenhänge. Immer aufsässiger und provokanter verhält sich Patrick – bis er eines Tages als Kitten auftritt: In Frauenkleidern, sorgfältig geschminkt und von einer irritierenden, irrlichternden erotischen Ausstrahlung.
Von nun an lebt Patrick sein eigenes Leben. Er zieht aus bei Ma Braden und bei einem Rockmusiker ein. Begeistert stürzt sich Kitten auf die Hausarbeit. Hinter einer Klappe findet er eines Tages Waffen. Viele Waffen. Kitten ist alarmiert und mitten im Nord-Irland-Konflikt. Einige Jahre zuvor waren für Patrick und seine Freunde die Rebellen der IRA Helden – jetzt werden sie ihnen zur Bedrohung.
Kitten verlässt Irland, macht sich auf, um in London nach jener Frau zu forschen, die seine Mutter gewesen sein soll. Er findet sie zunächst nicht, schlägt sich durch im einem Wombles-Kostüm, ist einem Zauberer Medium und zu zersägende Jungfrau. Knapp entkommt Kitten einem irren Mörder, einem Bombenanschlag und dem Verdacht, selbst Bombenleger zu sein.
Mit zwei Freunden aus Kindertagen und Pater Bernhard kehrt die Vergangenheit zurück, aus der heraus sich eine Familienzusammenführung entwickelt, wie der Zuschauer sie nicht erwartet.
Thomas Steinberg, 2006
Ein Transvestit lebt als moderner Schelm im London der 70er Jahre.
Breakfast on Pluto
Land: Irland, Großbritannien
Jahr: 2005
Genre: Tragikomödie
Regie und Buch: Neil Jordan nach dem Roman von Pat McCabe (Roman)
Kamera: Declan Quinn
Musik: Anna Jordan
Schnitt: Tony Lawson
Darsteller: Cillian Murphy (Patrick »Kitten« Braden), Liam Neeson (Father Bernard), Ruth Negga (Charlie), Laurence Kinlan (Irwin), Stephen Rea (Bertie), Brendan Gleeson (John-Joe), Conor McEvoy (junger Patrick), Gavin Friday (Billy Hatchet), Ian Hart (PC Wallis), Ruth McCabe (Ma Braden), Steven Waddington (Insp. Routledge)
Produktion: Neil Jordan, Alan Moloney, Stephen Woolley
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 12