
Lebte Tae-suk in Deutschland (und nicht in Südkorea), in seinem Ausweis stünde unter Wohnsitz ofW – ohne festen Wohnsitz. Den Tae-suk (Jae Hee) kurvt mit einem Motorrad durch die Stadt, und wo es ihm gefällt, macht er Halt, steigt in fremde Wohnungen ein. Dort stiehlt er nicht, dort zerstört er nichts. Im Gegenteil: Tae-suk erledigt die Wäsche und kleine Reparaturen. Am Abend sieht er fern. Es ist, als sei Tae-suk bemüht, die Identität der rechtmäßigen Hausbewohner annehmen.
Die meisten von diesen werden den ungebetenen Gast nie zu Gesicht bekommen – Tae-suk kundschaftet vorher aus, welche Wohnungen zweitweise leer stehen. Manchmal indes irrt er sich: Die Bewohner kehren vorzeitig zurück. Oder sie haben das Haus überhaupt nicht verlassen.
Sun-hwa (Lee Seung-yeon) beobachtet den Eindringling eine Weile, bevor sie ihn überrascht. Tae-suk hat sie bereits gesehen: auf dem großen Foto in der Wohnung, auf anderen Fotos in einem Buch. Sun-hwa ist Fotomodell, oder sie war es, denn die luxeriöse Wohnung ist ihr ein goldener Käfig, in der sie von ihrem Mann gehalten wird.
Kim Ki-duk erzählt in »Bin-jip – Leere Häuser« ein Märchen von zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind und von anderen immer wieder gehindert werden, zueinander zu finden. Die Liebe von Sun-hwa und Tae-suk benötigt keine Worte. Wenn jemand redet, dann sind es stets andere – und deren Worte erweisen sich als Bedrohung.
Sun-hwa fällt die Entscheidung leicht, sich auf Tae-suks Motorrad zu setzen, durch die Stadt zu fahren und sich in fremden Wohnungen einzuquartieren, sich darin, obwohl selbst unbehaust, darin mit großer Selbstverständlichkeit zu leben. Es sind nicht die beiden, die als Störenfriede erscheinen, wenn der Inhaber einer Wohnung – ein Boxer – vor der Zeit wieder in seiner Wohnung auftaucht.
Als die beiden in die Wohnung eines alten Mannes eisnteigen, finden sie dessen blutüberströmte Leiche. Sie bestatten ihn – und werden dann von einer Wirklichkeit eingeholt, die sie in das Haus ihres prügelnden Ehemanns, ihn in das Gefängnis bringt.
Ganz am Ende erst, Sun-hwa und Tae-suk haben sich fast vollkommen abgewandt von dieser Welt, nehmen sie nicht mehr war als bleischweres Gewicht, spricht Sun-hwa. Es sind nur drei Worte.
Thomas Steinberg, 2005
Ein junger Mann dringt heimlich in fremde Häuser ein, um dort zu wohnen. Eines Tages überrascht ihn eine junge Frau.
Bin-jip – Leere Häuser (3-Iron)
Land: Südkorea, Japan
Jahr: 2004
Regie und Buch: Kim Ki-duk
Kamera: Jang Seong-back
Musik: Slvian
Schnitt: Kim Ki-duk
Darsteller: Lee Seung-yeon (Sun-hwa), Jae Hee (Tae-suk), Kwon Hyuk-ho (Min-kyu), Joo Jin-Mo (Kommissar Cho), Choi Jeong-ho (Gefängniswärter), Lee Joo-suk (Sohn des alten Mannes), Lee Mi-sook (Schwiegertochter des alten Mannes)
Produktion: Kim Ki-duk, Kang Young-Gu, Suh Young-Joo
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 12