
»Mephisto«, »Katzenspiel«, »Hanussen«, »Zauber der Venus«, »Offenbach«, »Taking Sides – Der Fall Furtwängler«: Bühne, Theater und Konzert sind die Räume, die István Szabó, ungarischer Regisseur, mit einer an Obsession grenzenden Regelmäßigkeit immer wieder aufsucht. Hier trifft er jene Menschen, denen seine Leidenschaft gilt: Menschen mit Talent, die ihrer Verantwortung gerecht werden – oder daran scheitern. »Natürlich«, sagte Szabó in einem Interview, »kann auch der Bäcker, der Arzt, der Lehrer oder Journalist über Talent verfügen, über ein wichtiges Talent. Weil ich aber die Welt der Theaters kenne und weil ich Schauspieler lieber, achte ich mehr auf sie.«
So wird es niemanden erstaunen, wenn »Being Julia« einmal mehr im Theater spielt. Die Vorlage für diesen Film, der 1947 erschienene Roman »Theater«, stammt von einem Mann, dem die Triumphe und Niederlagen des Schauspieler-Daseins bestens vertraut waren: W. Somerset Maugham, in den 30-er Jahren der erfolgreichste britische Romancier und Bühnenautor, zeitweise Spion mit dem Auftrag seiner Majestät, in Russland die Revolution zu verhindern. Ein Lebemann mit gesunden Misstrauen gegenüber dem eigenen Können: sein Platz sei in der ersten Reihe der zweiten Klasse.
Julia Lambert (Annette Bening) ist ein Star im Londoner Westend. Und doch wähnt sie ihre Bühnenkarriere sich dem Ende zuneigend, schließlich ist sie Mitte vierzig. Ihre Ehe mit dem Impressario Michael Gosselyn (Jeremy Irons) ist ausgelaugt worden in all den Jahren – und andere Männer scheinen sie nicht länger zu begehren. Theater – das wird für Julia mehr und mehr zum Job.
Bis sie eines Tages Tom Fennel (Shaun Evans) begegnet. Der junge Amerikaner im Alter ihres Sohnes umgarnt sie. Tom sieht gut aus, Tom ist charmant, Tom ist intelligent, Tom liebt sie, Julia lässt sich auf eine Affäre ein.
Tom jedoch, und dies dämmert Julia erst nach und nach, ist weniger an ihr interessiert als an seiner eigenen Karriere – und an der seiner jungen, blonden Geliebten Avice Crichton (Lucy Punch). Julia und ihr Mann sollen ihr den Weg auf die Bühne ebnen, einen Wunsch, dem zu erfüllen Michael sich eifrig bemüht, weil er sich in Avice verliebt hat. Merkwürdig nur, dass Julia ebenfalls am Fortkommen der jungen Riva interessiert scheint und unbedingt mit ihr gemeinsam auf der Bühne stehen will.
Thomas Steinberg, 2004
Julia, eine erfolgreiche Schauspielerin, nimmt sich einen jungen Geliebten. Als sie merkt, dass er sie nur als Werkzeug betrachtet, seiner Freundin eine Rolle zu verschaffen, inszeniert sie ihre Rache mit den Mitteln einer Schauspielerin.
Being Julia (Csodalatos Julia)
Land: USA, Kanada, Ungarn, Großbritannien
Jahr: 2004
Regie: István Szabó
Buch: Ronald Harwood nach dem Roman »Theater« von W. Somerset Maugham
Kamera: Lajos Koltai
Musik: Mychael Danna
Schnitt: Susan Shipton
Darsteller: Annette Bening (Julia Lambert), Jeremy Irons (Michael Gosselyn), Bruce Greenwood (Lord Charles), Miriam Margolyes (Dolly de Vries), Juliet Stevenson (Evie), Shaun Evans (Tom Fennel), Lucy Punch (Avice Crichton), Maury Chaykin (Walter Gibbs), Sheila McCarthy (Grace Dexter), Michael Gambon (Jimmie Langton), Leigh Lawson (Archie Dexter), Rosemary Harris (Mrs. Lambert), Rita Tushingham (Tante Carrie), Thomas Sturridge (Roger Gosselyn)
Produzenten: Robert Lantos, Sandra Cunningham, Mark Musselman, Julia Rosenberg
Länge: 105 Minuten
FSK: o.A.