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Battle in Heaven

Szene aus 'Battle in Heaven' - Mann und Frau im Bett
Die Tochter des Generals und dessen Fahrer.

Fast ist es Alltag. Da wird ein Kind entführt, um Geld zu erpressen. Kein Kind reicher Eltern, sondern das einer befreundeten Witwe, die wenig hat, was sie geben könnte für das Kind. Doch gerade dieses Kidnapping erscheint Marcos (Marcos Hernández) und seiner Frau (Bartha Ruiz) leicht zu bewerkstelligen, so dass nicht einmal die Tatsache,d ie Mutter zu kennen, sie von ihrer Tat abhält.

Doch noch bevor die Lösegeldforderung gestellt werden kann, stirbt das Kind. Für Marcos’ Frau kommt dies einer Katastrophe gleich – nicht, weil sie der Tod des Kindes entsetzt, sondern weil der Geldsegen nun ausbleiben wird. Nichts scheint diese Frau ernstlich erschüttern zu können.

Marcos dagegen bricht beinahe zusammen, obwohl auch er keine Schuld verspürt. Das gescheiterte Verbrechen lässt seinen Magen rebellieren, in Schweiß ausbrechen. Seine Frau rät ihm, zur Jungfrau von Guadalupe zu pilgern.

Carlos Reygadas hatte bereits einige Kurzfilme gedreht, als er in sein Heimatland Mexiko zurückkehrte und »Japón« drehte. Er zeigt darin ein hartes Land in Bildern, die so surreal wie dokumentarisch, ein Land voller Hoffnungslosigkeit und Aggressivität, in der dennoch die Annäherung zwischen zwei Menschen möglich scheint. Mehrfach wurde »Japón« bei wichtigen Festivals ausgezeichnet.

In Cannes, wo »Battle in Heaven« lief, sorgte Reygadas’ zweiter Film zunächst aus einem anderen Grund für Aufregung: wegen der sehr expliziten Sexszenen (der Film hebt gleich mit einer solchen an). Doch so eindeutig Reygadas seine Darsteller agieren lässt, so distanziert wirken diese Szenen. Die geschlechtliche Liebe wird hier zu einem Akt der Befreiung und zugleich der Unterwerfung, der Sühne und der Schuld, der Auferstehung und des Todes.

Marcos vertraut sich Anna (Anapola Mushkadiz) an. Tochter eines Generals, für den Marcos als Fahrer arbeitet, ist sie gelangweilt vom Luxusleben und arbeitet heimlich als Edelprostiuierte. Sie rät Marcos, die Polizei aufzusuchen – und geht mit dem fetten, unansehnlichen Mann ins Bett. Da mag Mitleid mitschwingen, aber ebenso der Wunsch, Marcos zu kontrollieren.

Die Mesalliance endet tödlich. Und Marcos begibt sich auf den Pilgerweg. Er wird ankommen und eine Ahnung von Hoffnung erfahren. Nicht aber in Mexiko.

Thomas Steinberg, 2006

Kurz und knapp

Ein Ehepaar entführt ein Kind, um Geld zu erpressen. Ein Film über ein Mexiko, das keine Hoffnung mehr zu kennen scheint.

Daten und Personen

Battle in Heaven (Batalla en el cielo)
Land: Mexiko, Belgien, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2005
Genre: Drama
Regie und Buch: Carlos Reygadas
Kamera: Diego Martínez Vignatti
Musik: John Tavener
Schnitt: Benjamin Mirguet, Adoración G. Elipe, Nicolas Schmerkin
Darsteller:** Marcos Hernández (Marcos), Anapola Mushkadiz (Ana), Bertha Ruiz (Marcos‹ Frau), David Bornstien (Jaime), Rosalinda Ramirez (Viky), Omar Valentín Fernández (Irving), Estela Martínez Tremari (Inés), Alejandro Mayar Rea (Polizeichef)
Produktion:Philippe Bober, Susanne Marian, Carlos Reygadas, Jaime Romandia, Joseph Rouschop
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 18

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