
Immer wieder haben sie Krieg gegeneinander geführt, über Jahrzehnte. 1979 schlossen sie endlich unter Vermittlung der Amerikaner Frieden. Freunde oder wenigstens Partner wurden Israel und Ägypten trotzdem nicht.
Nun aber einmal angenommen, eine Polizeikapelle aus Alexandria würde eingeladen werden nach Israel, um in Petah Tikva zur Eröffnung eines Kulturzentrums zu spielen. Unwahrscheinlich? Ja. Doch für den jungen israelischen Regisseur Eran Kolirin ist genau dieses Ausgangspunkt seines vielfach ausgezeichneten Erstlings »Die Band von nebenan« seines Märchens. Denn dieses sei sein Film, gestand er unumwunden in einem Interview: ein Märchen. Wie wäre es, wenn Ägypter und Israelis sich begegneten, nicht als Staatsangehörige zweier ehemaliger Kriegsparteien, sondern als ganz normale Menschen.
So lässt Kolirin acht blau Uniformierte in Israel landen. Doch vom Empfangskomitee ist nichts zu sehen auf dem Flughafen; niemand wartet auf die Musiker mit ihren Instrumenten. So wird der Jüngste von ihnen beauftragt Bustickets zu lösen nach Petah Tikva.
Als das Oktett den Kleinbus verlässt und dieser weitergefahren ist, finden sie sich wieder im gleißenden Weiß von Wüste und Sonne. Ein paar kleine Häuser sind auszumachen. Ein Kulturzentrum? Gebe es hier ebenso wenig wie überhaupt Kultur, erklärt Dina (Ronit Elkabetz) den wie Aliens wirkenden Musikern. Sie seien im übrigen nicht in Petah Tikva als vielmehr in Bet Hatikva ausgestiegen. Einem Scheißort, wie Dina erläutert. Ein Bus fahre übrigens erst am nächsten Tag.
So sieht sich Bandleader Tefiq (Sasson Gabai) gezwungen, sich um Quartiere für seine Männer zu bemühen; sie kommen unter bei ganz normaen israelischen Familien, die die Fremden zunächst ein wenig bestaunen. Man redet miteinander in einem wüsten Kauderwelsch aus Englisch, Arabisch und Hebräisch – und merkt allmählich, so weit ist man voneinander nicht entfernt.
»Die Band von nebenan« sollte übrigens für den Auslands-Oskar nominiert werden. Er wurde es nicht.
Weil im Film zu viel Englisch gesprochen wurde.
Thomas Steinberg, 2008
Ein ägyptische Militärkapelle verirrt sich in ein israelisches Wüstenkaff und muss dort eine Nacht verbringen.
Die Band von nebenan (Bikur hatizmoret)
Land: Israel, Frankreich
Jahr: 2007
Genre: Komödie
Regie und Buch: Eran Kolirin
Kamera: Shai Goldman
Musik: Habib Shehadeh Hanna
Schnitt: Arik Lahav Leibovitz
Darsteller: Sasson Gabai (Tewfiq Zakaria), Ronit Elkabetz (Dina), Khalifa Natour (Simon), Saleh Bekri (Khaled), Shlomi Avraham (Papi), Rubi Moscovich (Itzik), Gavriel Ayrum (Uri), Jabarin Camal (Imad)
Produktion: Eilon Ratzkovsky, Ehud Bleiberg, Yossi Uzrad, Koby Gai-Raday, Sophie Dulac, Michel Zana
Länge: 88 Minuten
FSK: o.A.