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The Backyard

Szene aus 'The Backyard': Stehleiter, Grube, Stacheldraht - Kampfplatz der Backyard-Wrestler
Der Kampfplatz.

Blut ist wichtig. Blut sieht gut aus. Blut muss fließen. Und wenn es nur tröpfelt, dann hilft der wahre Backyard Wrestler nach: Vor dem Match schluckt er Blut verdünnende Aspirin, beim Kampf hält er versteckt eine Rasierklinge bereit, um sich selbst Schnittwunden beizubringen: Blading nennt sich das.

Paul Hough, in Hollywood lebender britischer Filmemacher, ist schon vor einigen Jahren aufgebrochen, um im eigenen Auftrag ein Phänomen im Film festzuhalten, das sich Backyard Wrestling nennt. Backyard Wrestler stehen nicht in reichlich albernen Kostümen auf gleißend erleuchteten Showbühnen wie ihre Vorbilder und verdienen anders als diese keinen Cent. Was sie tun, ist für Außenstehende schwer erträglich und schwerer noch zu verstehen.

Hough ist vor Jahren zufällig auf ein Phänomen aufmerksam geworden, das inzwischen die großen amerikanischen Fernsehsender für sich entdeckt haben. Sensationsheischende Berichte über Backyard Wrestling beschleunigten dessen Ausbreitung. Längst ist Backyard Wrestling Teil der Subkultur des White Trashs, der ärmlichen Verhältnissen entstammenden weißen Kids.

Beim Backyard Wrestling scheint es keine Regeln zu geben, scheint alles erlaubt. Man nimmt Baseballschläger als Waffen, legt gespannte Mausefallen aus, umspannt den Ring mit Stacheldraht, zerdrischt einander Leuchtstoffröhren auf den Schädeln.

Und doch wird kein Backyard Wrestler behaupten, dass sein blutendes Gegenüber ein Gegner sei. Bei allem Schmerz, den man einander zufügt – und sich zufügen lässt -: es gelten Spielregeln, auch wenn die sehr weit gefasst sein mögen.

Szene aus 'The Backyard': Junger Mann mit Stacheldraht umwundener Keule.
Backyard-Wrestler mit Sportgerät.

Statt selbst zu kommentieren, überlässt es Hough den Jugendlichen, ihr Tun zu erklären, befragt ihre Eltern und Lehrer. Was er an Antworten erhält, vermag mehr zu verstören, als die teilweise schockierenden Bilder. Bo: »Der Schmerz ist mein einziger Freund.« Und Scar lässt sich malträtieren (und malträtiert andere), weil ihm das hilft, über das Trauma seiner Kindheit hinwegzukommen, eine schwere, schmerzhafte Nierenerkrankung.

Natürlich kann man Lizard lächerlich finden, einen erwachsenen Mann, der bei Pizza Hut arbeitet, Familie hat und stolz wie ein kleiner Junge die Sammlung von Plastik-Wrestler-Figuren vorführt. Wenn es sein Ebenbild massenhaft als Plastikfigur zu kaufen geben wird, dann erst weiß Lizard, dass er es geschafft hat als Profiwrestler.

Ob ihm und den anderen der ersehnte Aufstieg gelingt, ist mehr als ungewiss. Denn für die bürgerliche Gesellschaft sind sie kaum mehr als Aliens – faszinierend und furchteinflößend. Houghs Film, schrieb denn auch die New York Times«, sei die erstaunliche anthropologische Studie eine Stammes, den man amerikanische Teenager nenne.

Thomas Steinberg, 2004

Kurz und knapp

Backyard Wrestling ist ein Phänomen, das sich unter weißen Jugendlichen besonders in den USA verbreitet hat: junge Männer malträtieren sich gegenseitig mit Keulen, Mausefallen und Stacheldraht – und haben Spaß dabei.

Daten und Personen

The Backyard (The Backyard)
Land: USA
Jahr: 2002
Genre: Dok-Film
Regie, Buch, Kamera: Paul Hough
Musik: Seth Jordan
Produzent: Geza Decsy
Schnitt: Ben Raskin
Länge: 80 Minuten
Sprachversion: Original mit deutschen Untertiteln
Format: Farbe, DVD
FSK: -

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