
Zacharias Kunuk erweckt in seinem Debütfilm »Atanarjuat« – dem ersten kanadischen Spielfilm, der von Inuit geschrieben, inszeniert und produziert wurde – eine Legende seiner Ahnen zum Leben. Schamanen hatten mit einem bösen Fluch die blutige Rivalität zweier Familien bewirkt. Atanarjuat (Natar Ungalaaq) nimmt sich Atuat (Sylvia Ivalu) zur Frau – auf die Oki (Peter-Henry Arnatsiaq), der Sohn des Stammeshäuptling, Anspruch zu haben glaubt. So will er sich rächen und ermordet Amaqjuaq (Pakak Innuksuk), den Bruder Atanarjuats, der sich flüchtend retten kann.
Regisseur Kunuk – selbst Bewohner eines arktischen Dorfes, aus dem auch die Darsteller, allesamt Laien, stammen – erkundet mit seinem Film eine Tradition des eigenen Volkes, das Jahrtausende keine Schrift kannte und nur einer Form der Überlieferung: die des Geschichtenerzählens. Wie der Erzähler sich Zeit nimmt, eine Welt vor den inneren Augen seiner Zuhörer entstehen zu lassen, nimmt Kunuk sich diese Zeit, seine Geschichte zu entwickeln und besticht seine Zuschauer dabei mit atemberaubenden Bildern, wie man sie im Kino noch nicht gesehen hat.
Der Regisseur und sein Team haben zudem eine an extreme Umstände angepasste Lebensweise dokumentiert, die beständig vom Untergang bedroht ist. Kunuk in der »New York Times«: »Es ist ein Film über unsere Identität, aber auch einer über das Überleben. Die jungen Leute unseres Volkes reisen heute von Siedlung zu Siedlung, und wenn ein Sturm kommt, müssen wir sie retten. Sie wissen nicht, wo sie langgehen, haben keine Messer dabei, um sich im Eis Schutzhütten zu bauen, und haben auch keine Ahnung, wie das geht.«
Kunuk wurde 1957 geboren und lebt in der Inuit-Siedlung Igoolik. Zunächst hatte er Erfolg als Bildhauer und Schnitzer, begann dann aber Dokumentarfilme über sein Volk zu drehen.
Für den »Filmdienst«, Deutschlands angesehenste Filmzeitschrift, ist der Erstling von Zacharias Kunuk schon jetzt ein Klassiker. In Cannes erhielt »Atanarjuat« 2001 die Goldene Kamera zugesprochen.
Die »Berliner Zeitung« weiß übrigens Rat, wie Atanarjuat auszusprechen sei: »kräftig zu betonen auf dem dritten A und mit einem J, so sanft wie in Journal«. Vom Film selbst, der in Cannes vor zwei Jahren die Goldene Kamera zugesprochen bekam, erzählt die »Süddeutsche Zeitung« ganz ähnliches: »Kraftvoll wie ein Holzschnitt und doch auch raffiniert ist dieser Film.«
Thomas Steinberg, 2003
Zum ersten Mal hat ein Team, in dem nur Inuit mitwirkten, einen Spielfilm gedreht. »Atanarjuat« erweckt eine uralte Legende wieder zum Leben und erzählt sie in atemberaubenden Bildern.
Atanarjuat – The Fast Runner
Land: Kanada
Jahr: 2001
Regie: Zacharias Kunuk
Buch: Hervé Paniaq, Pauloosie Qualitalik, Zacharias Kunuk, Paul Apak Angilirq, Norman Cohn
Kamera: Norman Cohn
Musik: Chris Crilly
Schnitt: Zacharias Kunuk, Norman Cohn, Marie-Christine Sarda
Darsteller: Natar Ungalaaq (Atanarjuat), Sylvia Ivalu (Atuat), Peter-Henry Arnatsiaq (Oki), Lucy Tulugarjuk (Puja), Madeline Ivalu (Panikpak), Pauloosie Qulitalik (Schamane), Eugene Ipkarnak (Sauri), Pakak Innuksuk (Amaqjuaq), Neeve Irngaut (Uluriaq), Abraham Ulayuruluk (Tungajuaq), Apayata Kotierk (Kumaglak), Mary Qulitalik (Niriuniq), Luke Taqqaugaq (Pittiulak), Alex Uttak (Pakak), Eric Nutarariaq (der junge Sauri)
Produktion: Zacharias Kunuk, Norman Cohn, Marie-Christine Sarda
Länge: 172 Minuten
FSK: o.A.
Sprachversion: Inuktikut mit Untertiteln