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Die andere Seite des Mondes

Szene aus 'Die andere Seite des Mondes' - Mann mit Modell des Sonnensystems
Verträumter Philosoph: Robert Lepage in einer von mehreren Rollen, die er in »Die andere Seite des Mondes« übernommen hat.

Was sieht es aus im Uterus einer schwangeren Frau? Robert Lepage räumt in seinem Film »Die andere Seite des Mondes« mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. Die Kamera taucht ein – und findet, nein, keinen Embryo, sondern ein Raumschiff neben dem an einem Seil ein Kosmonaut schwebt.

Lepage, kanadischer Theatermann und mit überbordender Phantasie gesegnet, ist Schauspieler, schreibt Stücke, führt Regie im Theater und der Oper, entwickelt Shows für Peter Gabriel und für den Cirque de Soleil. Irgendwo zwischen all diesen Tätigkeiten findet Lepage Zeit und Muße, aus seinem Bühnenstück »Die andere Seite des Mondes« ein Drehbuch zu formen, dieses als Regisseur zu verfilmen, die beiden Hauptrollen zu übernehmen.

André hat Erfolg, Philipp ist ein Versager. André hat einen Lebenspartner, Philipp wohnt – mit über 40 Jahren – immer noch in der elterlichen Wohnung. André verdient als Fernsehwettermann gutes Geld, Philipp besitzt nicht einmal ein Portemonnaie. André lebt im Hier und Heute, Philipp sucht die Erdenschwere abzustreifen, wenigstens in der Phantasie, wenn er aus Alltagsgegenständen ein Raumschiffmodell bastelt.

Von Kindheit an waren Philipps Gedanken auf den Weltraum fixiert, auch wenn ihn ein Tumor mitten in der Liveübertragung der ersten Mondlandung in Ohnmacht fallen ließ.

Ungefähr 35 Jahre nach diesem verpassten Ereignis schreibt Philipp hin und wieder an seiner Doktorarbeit, mit der er den Beweis seiner Theorie anzutreten versucht, dass einzig der Narzissmus Antriebskraft für die Erforschung der Weltraums darstellt. An dieser nimmt Philipp aktiv nicht teil, sondern verdient sein Geld als Angestellter einer Firma für Telefonmarkerting. Der Job mag öde sein, befriedigt jedoch immerhin das eher gering ausgeprägte Interesse Philipps an anderen Menschen.

Eine Chance die Erdenschwere abzustreifen, sieht Philipp mit einem Wettbewerb gekommen. Gesucht wird ein Video, das als Botschaft in den Kosmos gestrahlt werden soll, damit sich Aliens ein Bild machen können über das Leben auf der Erde. Philipp macht sich an die Arbeit, zeichnet ein sehr eigenwilliges Bild der Menschen, wird den Wettbewerb gewinnen und ganz zum Schluss sogar abheben.

Thomas Steinberg, 2006

Kurz und knapp

Ein Philosoph ohne Erdung träumt sich in die Weiten des Weltraums.

Daten und Personen

Die andere Seite des Mondes (La face cachée de la lune)
Land: Kanada
Jahr: 2003
Genre: Komödie
Regie und Buch: Robert Lepage
Kamera: Ronald Plante
Musik: Benoît Jutras
Schnitt: Philippe Gagnon
Darsteller: Robert Lepage (Philippe/André), Anne-Marie Cadieux (Mutter), Marco Poulin (Carl), Céline Bonnier (Nathalie), Gregory Hlady (Übersetzer), Yves Amyot (Barmann), Richard Fréchette (Doktor), Érika Gagnon (Vorsteherin)
Produktion: Bob Krupinski, Mario St-Laurent
Länge: 105 Minuten

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