
Thomas Alden (Jeff Daniels) ist ein Vater, wie eine 13-Jährige ihn sich nicht unbedingt wünscht: Ein Eigenbrötler, auf seiner Farm in Kanada an nicht funktionstüchtigen Flugmaschinen bastelnd. So bleibt Amy (Anna Paquin) meist allein, zieht durch die Wälder und sich selber immer weiter zurück, ohne die eher hilflosen Versuche ihres Vaters, sich ihr anzunähern, zu erwidern.
Drei Jahre hatte sie ihn nicht gesehen. Amys Eltern hatten sich getrennt, sie war bei der Mutter geblieben, einer erfolgreichen Sängerin, und mit ihr auf Neuseeland-Tournee. Bis zu diesem Verkehrsunfall, bei dem die Mutter tödlich verunglückt.
In Kanada wird Amy nicht heimisch und fühlt sich unglücklich. Eines Tages findet sie ein verlassenes Nest von Wildgänsen. 16 Eier liegen darin, Amy nimmt sie an sich, lässt sie von der Wärme einer Lampe ausbrüten. Thomas, der die Küken entdeckt, freut sich für seine Tochter.
Doch auch ein Wildhüter bemerkt die Wildgänse auf der Farm. Er will ihnen die Flügel stutzen. Amy verhindert das und steht damit vor einem Dilemma: Wildgänse sind Zugvögel, benötigen jedoch für die erste Reise die Elterntiere als Lotsen.

Thomas hat eine Idee, die zunächst absurd anmutet: Mit einem Ultraleicht-Flugzeug sollen die Gänse nach Süden geleitet werden, in einem Vogelschutzpark, der Asyl anbietet. Nur wollen die Tiere partout nicht dem Vater folgen, sondern sie sind auf Amy fixiert: Sie war das Wesen, das sie nach dem Schlüpfen zuerst erblickten, folglich kommt ihr die Elternrolle zu. Und so bringt Thomas seiner Tochter das Fliegen bei. Beide machen sich auf den Weg – die Gänse folgen ihnen. Kurz vor dem Ziel stürzt Thomas mit seinem Flieger ab. Amy ist auf sich allein gestellt, ihre Schützlinge zu retten.
Der Film verwertet die Erfahrungen einer Gruppe von Naturschützern, die seit Jahren dabei sind, den in Kanada und den USA vom Aussterben bedrohten Schreikranich zu retten. Vom Naturforscher William Lishman und dem Fotografen Joseph Duff gegründet, hat Operation Migration 1993 zum ersten Mal 18 Gänse Richtung Süden gelotst. Weitere Testflüge auch mit anderen Arten folgten, bevor 2002 die ersten Schreikraniche in einem neuen Quartier angesiedelt werden konnten.
Regisseur Carroll Ballard hat mit »Amy und die Wildgänse« einen Film gedreht, der nicht zuletzt durch seine hervorragenden Naturaufnahmen besticht.
Thomas Steinberg, 2003
Der Kinderfilm »Amy und die Wildgänse« erzählt von einem Mädchen, das nach dem Tod der Mutter zum Vater nach Kanada zieht und Mühe hat, in der einsamen Gegend heimisch zu werden. Die Aufgabe, Wildgänse in den Süden zu lotsen, bringt Vater und Tochter einander näher.
Amy und die Wildgänse (Fly Away Home)
Land: USA
Jahr: 1996
Regie: Carroll Ballard
Buch: Robert Rodat, Vince McKewin
Kamera: Caleb Deschanel
Musik: Mark Isham
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Darsteller: Anna Paquin (Amy), Jeff Daniels (Thomas), Dana Delany (Susan), Holter Graham (Barry), Terry Kinney (David), Jeremy Ratchford (Glen Seifert)
Produktion: John Veitch, Carol Baum
Länge: 107 Minuten
FSK: o. A.
Sprachversion: deutsch