
Es gibt sie schon, die Hochrechnungen, nach denen recht bald in Brandenburg mehr Menschen als Wölfe leben werden. Mögen sie zutreffen oder nicht, schon heute ist dieser Landstrich einer, wo es sich angenehm entspannt Urlaub machen aber vielfach mehr schlecht als recht leben lässt: die Arbeit ist knapp und auf dem Sandboden gedeihen, so ist den Zeitungen zu entnehmen, neben Spargel und Kiefern besonders gut Jungnazis.
Pepe Planitzer kennt Brandenburg, hier ist er hingezogen, hier lebt er und hier hat er seinen zweiten Film gedreht. In »AlleAlle« finden drei Menschen zueinander, die nichts miteinander gemeinsam haben, außer einer Zukunft, die zunächst nicht nach einer solchen aussieht.
Da wäre zunächst Hajo Domühl (Milan Peschel), dem Suff verfallen und als Unternehmer völlig erfolglos: Sein Gerüstbaubetrieb steht kurz vor der Pleite, das von seinem Vater erworbene und von ihm ererbte Militärgelände erweist sich wegen seiner Altlasten als praktisch wertlos.
Hagen (Eberhard Kirchberg) wiederum wurde aus der Psychiatrie ent- und von seinem Verwandten, der eigentlich fortan seine Pflege übernehmen sollte sitzen gelassen: so irrt er ratlos durch Brandenburg, ein argloser Hüne, der sich dem Erstbesten bedingungslos anvertraut – und das ist ausgerechnet Hajo, dem sehr bald aufgeht, dass ihn Hagens Hilfsbereitschaft zu mehr verpflichtet als zu einer Übernachtung und einem Frühstück.
Schließlich Ina (Marie Gruber). Man hat sie aus dem Gefängnis entlassen, wo sie lange Jahre verbracht hat, weshalb, erfährt der Zuschauer nicht. Ina ist verschlossen, fast schroff wehrt sie die linkischen Annäherungsversuche Hajos ab.
Planitzer hat sich für »AlleAlle« eines Stücks von Oliver Bukowski als Vorlage bedient, das gleich Anfang der 90er Jahre unter dem Titel »Burnout« auf die Bühnen am, und an dem im Rückblick die Hellsichtigkeit inmitten der allgemeinen blinden Euphorie erstaunt.
Thomas Steinberg, 2008
In einem kleinen brandenburgischen Ort treffen drei Menschen aufeinander, die fast alles verloren zu haben scheinen und die sich deshalb zusammenfinden.
*AlleAlle
Land: Deutschland
Jahr: 2006
Genre: Drama
Regie: Pepe Planitzer
Buch: Pepe Planitzer nach dem Bühnenstück von Oliver Bukowski
Kamera: Uwe Mann
Musik: Peter Liljeqvist, Calexico
Schnitt: Katrin Ewald
Darsteller: Eberhard Kirchberg (Hagen), Milan Peschel (Domühl), Marie Gruber (Ina), Simone Frost (Magda), Christina Grosse (Caroline), Teo Vadersen (Lulle), Peter Kurth (Otto), Petra Kelling (Pastorin), Udo Kroschwald (Heimleiter), Eckard Becker (Hagedorn)
Produktion: Annekatrin Hendel, Jürgen Grimmer, Sven Boeck, Lutz Längert, Michael Kaczmarek
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 6