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Aaltra

Szene aus 'Aaltra' - 2 betrunkene Rollstuhlfahrer
Zwei unangenehme Gäste: Ben und Gus.

Von Frankreich aus ist es ein weiter Weg bis nach Finnland. Besonders dann, wenn man mit einem für solche Strecken denkbar ungeeigneten Gefährt unterwegs ist. Nämlich im Rollstuhl.

Benoît Delépine und Gustave de Kervern sind in ihrer französischen Heimat als Fernseh-Comediens bekannt und erfolgreich. Für »Aaaltra« haben sie gemeinsam das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und vor der Kamera gestanden – pardon, gesessen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit: eine garstige, politisch absolut unkorrekter Film. Eine seiner Botschaften: Auch Behinderte können, mit Verlaub, absolute Scheißtypen sein. Ja, sie dürfen es.

Dass Delépin und de Kervern einiges für Filmemacherhandwerk bei Aki Kaurismäki gelernt haben, ist augenscheinlich. Ihre Helden geben sich maulfaul, zum Witz gesellt sich Melancholie. Und es kann wohl kein Zufall sein, dass der finnische Regisseur in »Aaltra« einen kurzen Gastauftritt hat.

Dorthin, an das Ende des Films, müssen der Bauer und der Angestellte erst einmal gelangen. Beide sind in herzlichem Hass einander verbunden. Oft verstellt der eine mit seinem landwirtschaftlichen Maschinen dem anderen den Weg zur Arbeit. Eines Tages kommt es zur überfälligen körperlichen Auseinandersetzung. Und diese gewinnt keiner von beiden, sondern ein Traktoranhänger der Marke Aaltra. Ein finnisches Produkt, unter das die beiden geraten. Die Diagnose nach dem Unfall lautet: Querschnittslähmung.

Nein, der Schicksalsschlag wird keinen von ihnen bekehren und zum besseren Menschen machen. Anderer Leute Hilfsbereitschaft mit kalten Kalkül ausnutzend, machen sich beide – vom Zufall zusammengeführt – auf den Weg nach Skandinavien, um den Hersteller des Anhängers zu verklagen. Der Start verläuft schwierig (sie werden ihrer Papiere und ihres Geldes beraubt), aber sie halten sich schadlos: saufen anderer Leute Schnaps weg, klauen einen Elektrorollstuhl und nisten sich bei einer deutschen Familie. Ihr Motto: Wie sind behindert – aber nicht blöd.

Insofern ist »Aaltra« dann politisch doch wieder korrekt. Nur viel lustiger.

Thomas Steinberg, 2006

Kurz und knapp

Zwei übellaunige Männer, nach einem Unfall querschnittsgelähmt, fahren in ihren Rollstühlen nach Finnland und nutzen hemmungslos die Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen aus.

Daten und Personen

Aaltra
Land: Frankreich, Belgien
Genre: Komödie
Regie und Buch: Benoît Delépine, Gustave de Kervern
Kamera: Hugues Poulain
Musik: Les Wampas
Schnitt: Anne-Laure Guégan
Darsteller: Benoît Delépine, Gustave Kevern, Aki Kaurismäki, Benoit Poelvoorde, Jan Bucquoy, Pierre Carl, Michel De Houx, Isabelle Delepine, Jason Flemyng, Noel Godin, Christine Grulois, Bouli Lanners, Vincent Patar, Christophe Salengro, Vincent Tavier u.a.
Produktion: Guillaume Malandrin, Vincent Tavier
Länge: 92 Minuten
FSK: o.A.

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