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25 Stunden

Szene aus 'Adaption' - Zwilling.
Charlie (Nicolas Cage) und Donald (Nicolas Cage).

Monty Brogans (Ed Morton) Leben ist an einem Wendepunkt angekommen: der ehemalige Drogendealer soll für sieben Jahre in den Knast. Ein Tag bleibt ihm, um Abschied zu nehmen, sich zu besinnen, herauszufinden, wer ihn bei der Polizei angeschwärzt. (Dass der deutsche Titel einen Zeitraum von »25 Stunden« suggeriert, ist schlicht einem Übersetzungsfehler zuzuschreiben: im Original heißt Lees Film »The 25th Hour«.) Als die 25. Stunde näher rückt, weiß Monty, dass er all jene vermissen, für die er eben noch in einem langen Monolog nur ein »Fuck you« übrig hatte: die Schwarzen, die Juden, die Weißen, die Schwulen, die Katholiken, die Koreaner, die Pakistaner, die Stadt. »Fuck the whole city«, geifert Monty vor dem Spiegel und offenbart dabei lediglich den Hass auf sich selbst und zugleich auf schräge Weise seine Liebe zu einer Stadt, der Regisseur Spike Lee nicht minder verfallen ist: New York.

Blick auf Ground Zero

Vielleicht ist das der Grund, warum Spike Lee tut, was andere Regisseure nach den Anschlägen auf das World Trade Center vermieden haben: er zeigt die Wunden der Stadt, er zeigt Ground Zero, was ihm bei der Berlinale-Pressekonferenz 2003 gleich die inquisitorische Frage bescherte, ob er damit nicht etwa den 11. September kommerziell ausschlachte? Nein, erwiderte Lee. Er als New Yorker wolle keinen Film drehen, der nicht reflektiere, wie sich diese Stadt verändert habe.

Monty aber wird auf diese Stadt verzichten müssen, denn »dieser Film erzählt nicht allein vom Scheitern eines Dealers, sondern davon, dass die Erfolgsmodelle der weißen Mittelklassemänner untauglich geworden sind«, wie die »taz« in ihrer Kritik meint. Mögen ihm und seiner Freundin Naturelle (Rosario Dawson) nur wenige Stunden vergönnt sein – er lässt sie fast ungenutzt verstreichen: »Sprich mit mir, ja«, fleht sie ihn an.

Monty redet fast bis zum Schluss nicht mit ihr. Statt dessen trifft er sich mit seinen alten Freunden – dem zynischen Broker Francis (Barry Pepper) und dem verklemmten Lehrer Jacob (Philip Seymour Hoffman) -, noch einmal begegnet er seinem irischen Vater, der ihn zur Flucht überreden will. Lee aber zeigt sich dieses Mal versöhnlich, lässt seinen Helden nicht rebellieren: Monty hat längst die Einsicht gewonnen, dass nur er es war, der sein Leben verpfuscht hat. Das Beste, was er darin getan hat: Einem Hund das Leben zu retten.

So ängstlich wie gefasst nimmt Monty Abschied von New York.

Thomas Steinberg, 2003

Ganz kurz

»25 Stunden« von Spike Lee zeigt einen Drogendealer, der versucht, sein Leben zu ordnen, bevor er in den Knast muss. Ein Film über das New York nach den Terroranschlägen.

Daten und Personen

25 Stunden (The 25th Hour)
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: Spike Lee
Buch: David Benioff
Kamera: Rodrigo Prieto
Musik: Terence Blanchard
Schnitt: Barry Alexander Brown
Darsteller: Edward Norton (Monty Brogan), Rosario Dawson (Naturelle Riviera), Philip Seymour Hoffman (Jacob Elinsky), Barry Pepper (Francis Slaughtery), Tony Siragusa (Kostya Novottny), Brian Cox (James Brogan), Anna Paquin (Mary D‹Annunio)
Produktion: Tobey Maguire, Spike Lee, Jon Kilik, Julia Chasman
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12
Sprachversion: deutsch

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