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23 - Nichts ist so wie es scheint

Karl (August Diehl) und David (Fabian Busch) sind im Netz unterwegs.

War es der größte Spionagefall in Deutschland seit der Guillaume-Affäre? Oder war es anfänglich nur ein Streich dummer Jungen, der ihnen irgendwann außer Kontrolle geriet? In »23 – Nichts ist so wie es scheint« gibt Regisseur Hans-Christian Schmid bewusst keine Antwort. Er schildert statt dessen nüchtern einen Fall vom Computerkriminalität, der sich in einer Zeit zutrug, als der Weg ins dünn geknüpfte Internet noch über Akustikkoppler führte, die über den Telefonhörer gestülpt werden mussten.

Doch was Karl Koch (August Diehl) und sein Freund David (Fabian Busch) mit dieser Technik aus dem Netz saugen, interessiert den sowjetischen Geheimdienst KGB – und führt am Ende zu Karls Tod im Jahre 1989, um den sich unverändert Spekulation ranken: war es wirklich Selbstmord oder haben die Geheimdienste den jungen Mann aus dem Wege geräumt?

Die 80er Jahre sind die Zeit großer Demonstrationen. Karl Koch, einem konservativen Elternhaus entstammend, ist in Brokdorf zu finden, um dort gegen Atomkraft zu demonstrieren. Prägend für ihn wird zudem die Lektüre von »Illuminatus! Das Auge in der Pyramide« von Robert Anton Wilson und Robert Shea, einem Roman der eine Weltverschwörungstheorie rund um den Illuminaten-Orden aufbaut. Seit seiner Gründung 1776 ist dieser Orden (dem u.a. Goethe und Knigge angehörten), geheimnisumwabert. Wilson schreibt den Illuminaten eine Zahl zu, die angeblich ihr Denken und Tun bestimme: 23. Denn schließlich habe der Ordensgründer Adam Weishaupt (W ist der 23. Buchstabe des Alphabets) George Washington ermordet und sei an seiner Stelle Präsident der USA geworden. Abstruse Mutmaßungen dieser Art erfreuen sich weiterhin einiger Beliebtheit unter Verschwörungstheoretikern, die sich nur bestätigt fühlen müssen, wenn Karl Koch ausgerechnet am 23.5.1989 im Alter von 23 Jahren stirbt.

Hagbard Celine im Netz

So fest ist Karl von den wirren Theorien Wilsons überzeugt, dass sie ein wesentlicher Antrieb seines Handelns werden: Karl gegen die Weltverschwörer heißt sein Spiel, das er gemeinsam mit David betreibt. Er nennt sich nach dem Illuminatus-Helden Hagbard Celine, wenn er im Netz unterwegs ist, geheime Daten publik zu machen.

23 - Nichts ist wie es scheint - Szenenbild
Karl trennt sich von Geld.

Dafür interessieren sich irgendwann der Hacker Lupo (Jan Gregor Kemp) und der Kleinkriminelle Pepe (Dieter Landuris). Über sie kommt der Kontakt zum KGB zustande, der sich als gut zahlender Abnehmer für die aus dem Netz gefischten Informationen erweist. Karl wird zum Getriebenen. Zum Getriebenen seiner Verschwörungsszenarien, seiner sich verfestigenden Kokainsucht, des KGB, der Polizei und der Journalisten, die auf seiner Spur sind.

Thomas Steinberg, 2003

Kurz und knapp

In der Frühzeit des Internets versteigt sich ein junger Mann in immer absurdere Verschwörungstheorien. Hans-Christian Schmid zeichnet einen realen Fall von Computerkriminalität nach, der mit dem rätselhaften Tod des Protagonisten endet.

Daten und Personen

23 – Nichts ist so wie es scheint
Land: Deutschland
Jahr: 1998
Regie: Hans-Christian Schmid
Buch: Michael Gutmann, Hans-Christian Schmid
Kamera: Klaus Eichhammer
Musik: Ton Steine Scherben, Norbert Jürgen Schneider, Iggy Pop, Deep Purple
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Darsteller: August Diehl (Karl Koch), Fabian Busch (David), Dieter Landuris (Pepe), Jan Gregor Kemp (Lupo), Stephan Kampwirth (Maiwald), Zbigniew Zamachowski (Sergej), Peter Fitz (Brückner), Burghart Klaussner (Weber), Lilly Tschörtner (Beate), Patrick Joswig (Alex), Hanns Zischler (Karls Vater), Robert Anton Wilson
Produktion: Jakob Claussen, Thomas Wöbke
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 12
Sprachversion: deutsch

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