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2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß

Szene aus 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß
Hanns Ludin.

Malte Ludin weiß: sein Vater war ein liebender. Und er weiß ebenso, was seine Mutter und Geschwister nicht wahrhaben wollen: dass dieser Mann, Hitlers Statthalter in der Slowakei, ein Verbrecher war.

Hanns Ludin, 1905 in konservativ-bürgerliche Verhältnisse hineingeboren, machte zunächst Karriere bei der Reichswehr bis er 1930 verhaftet wurde, weil er eine nationalsozialistische Zelle innerhalb der Armee gegründet hatte. Nach anderthalb Jahren Festungshaft wurde er entlassen, trat in die NSDAP ein und später in die SA. Den Röhm-Putsch 1934 überlebte er von Hitler begnadigt. Nach zwei Jahren an der in der Wehrmacht wurde er 1941 zum »Gesandten I. Klasse und Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches« befördert. Vor den anrückenden Russen floh Ludin mit seiner Familie gan Österreich, wurde dort von den Amerikanern verhaftet und an die Tschechoslowakei ausgeliefert, wo man ihn 1947 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.

Wer war dieser Hanns Ludin? Die Familie hat nach den Vorgaben von Ludins Frau Erla ihre eigene Lesart entwickelt. Ein rechtschaffener Mann, der seine Pflicht tat und nichts zu tun hatte mit der Deportation und Ermordung der slowakischen Juden. Seine Hinrichtung wird als Unrecht dargestellt.

Ludins jüngstem Sohn Malte kamen Zweifel, ohne dass er sie offen zu äußern wagte, so lange seine Mutter lebte; sie hielt zu ihrem Mann, dessen Karriere sie einst rückhaltlos unterstützt hatte.

Erst nach ihrem Tod beginnt Malte Ludin, die Familiengeschichte auszuloten. Dabei geht es ihm weniger darum, eine Biographie seines Vaters zu zeichnen, als vielmehr darum aufzuzeigen, wie eine Familie noch nach Jahrzehnten vor der Erkenntnis zurückschreckt, dass der Vater und Ehemann ebenso ein Verbrecher war. Fakten werden geleugnet oder uminterpretiert. Sätze wie, er habe schließlich nicht mit der Pistole dagestanden oder einen Schlüssel zu Gaskammer gehabt, sollen ihn freisprechen.

In »2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß« spricht Malte Ludin mit einigen seiner Geschwister und deren Kindern; die Mutter kommt in einem älteren Interview zu Wort. Dabei schont sich Ludin selbst nicht, wie in einer Szene mit einem überlebenden Opfer deutlich wird. Zunächst will er seinen Namen verschweigen; als er schließlich gesteht, reagiert er mit Rechtfertigungen auf die trockene Feststellung, dass sein Vaters verantwortlich gewesen sei für die Ermordung aller Verwandten seines Gesprächspartners. Andere wären doch ebenso am Holocaust beteiligt gewesen.

Thomas Steinberg, 2009

Kurz und knapp

War der Vater ein Verbrecher? Der Sohn des Nazi-Statthalters in der Slowakei Hanns Ludin konfrontiert seine Geschwister und andere Verwandte mit den Untaten des Mannes, dessen sich die Familie wider besseren Wissens ausschließlich als rechtschaffenen Menschen erinnert, der nur seine Pflicht tat und nichts zu tun hatte mit dem Holocaust.

Daten und Personen

2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß
Land: Deutschland
Jahr: 2005
Genre: Dokumentarfilm
Regie und Buch: Malte Ludin
Kamera: Franz Lustig
Musik: Werner Pirchner, Hakim Ludin
Schnitt: Iva Svarcová, Malte Ludin
Produktion: Iva Svarcová
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 12

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