
Wsewolod Pudowkin wird am 16. Februar 1893 in Pensa geboren. Mitte, Ende der zwanziger Jahre avanciert er – wie Sergej Eisenstein – zum Regie-Star, der auch in Westeuropa Anerkennung findet.
Pudowkin studiert zunächst Chemie und meldet sich 1915 freiwillig zum Kriegsdienst. In deutsche Kriegsgefangenschaft geraten, inszeniert er Tolstois »Der lebende Leichnam« – ein Stück, das ihn später erneut beschäftigen sollte: 1928 spielt er in der gleichnamigen russisch-deutschen Produktion die Hauptrolle.

1918 kehrt Pudowkin nach Moskau zurück. Er arbeitet als Chemiker, als Buchillustrator, als Fotograf und schreibt sich 1920 in die Filmschule ein. Hier lernt er Lew Kuleschow kennen, einen frühen Theoretiker der Filmmontage, der im Darsteller weniger einen Schauspieler sieht, sondern ein Filmmodell. An der Filmschule betreibt Kuleschow eine eigene Werkstatt, wo 1924 der Film »Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki« entsteht. Pudowkin schreibt am Drehbuch mit und übernimmt die Hauptrolle.
Seinen ersten Film »Die Mechanik des Gehirns« dreht Pudowkin 1925 und setzt sich darin mit der Pawlowschen Theorie auseinander. »Schachfieber« heißt sein erster Spielfilm, worin er Spielszenen mit Wochenschau-Schnipseln montiert. 1926 gelingt ihm der Durchbruch: »Die Mutter« nach Maxim Gorki macht ihn weltweit berühmt. »Das Ende von St. Petersburg« (1927) und »Sturm über Asien« (1928) tun ein übriges, um den gewonnenen Ruf zu untermauern. Wie Eisenstein bedient sich Pudowkin der Montagetechnik, allerdings in einer weniger plakativen Art und Weise. Ihm geht es um »psychologische Zuschauerführung«. Zugleich wird der Regisseur ein bedeutender Theoretiker der Montage, dessen Schriften sowohl in Deutschland wie in den USA Beachtung finden.
Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre sieht man ihn mit einem neuen Medium experimentieren – dem Tonfilm. »Ein gewöhnlicher Fall« (1932) und »Der Deserteur« (1933) finden nicht den Anklang seiner früheren Arbeiten. Zudem gelten seine Werke den offiziellen Kulturwächtern Stalins als inkompatibel zu den Doktrin des sozialistischen Realismus. Die lenken Pudowkin auf den Historienfilm, welcher nicht authentisch, sondern dem offiziellen Zeitgeist verpflichtet sein muss und mit großem Aufwand produziert wird – für »Minin und Poharski« wird 1939 Moskau in Holz nachgebaut. Je nach den aktuellen politischen Ansprüchen dreht er Filme über russische Heerführer: Über »Suworow« (1940) und »Admiral Nachimow« (1946). Nur einmal bricht Pudowkin aus dem System aus – mit Konsequenzen: »Die Mörder machen sich auf den Weg«, die erste sowjetische Brecht-Verfilmung, wird verboten.
1951 dreht Pudowkin »Beherrscher der Lüfte«, ein Porträt des Aerodynamikers Nikolai Shukowski. Sein letzter Film (und zugleich sein erster Farbfilm) »Drei Menschen« basiert auf einem stalinistischen Roman. Am 30. Juni 1953 stirbt Pudowkin in Riga.
Thomas Steinberg, 2003
russisch-sowjetischer Filmregisseur und Schauspieler, geboren am 16. Februar 1893 in Pensa, gestorben am 30. Juni 1953 in Riga
»Mechanika golownowo mosga« (»Die Mechanik des Gehirns«, 1925); »Schachmatnaja« (»Schachfieber«, 1925); »Matj« (»Die Mutter«, 1926); »Konez Sankt-Peterburga« (»Das Ende von St. Petersburg«, 1927); »Potomok Tschingis-Chana« (»Sturm über Asien«, 1928); »Prostoj slutschai« (»Ein gewöhnlicher Fall«, 1932); »Desertir« (»Der Deserteur«, 1933); »Minin i Posharski« (»Minin und Posharski«, 1939); »Suworow« (»Suworow«, 1940); »Ubijzy wychodjat na dorogu« (»Die Mörder machen sich auf den Weg«, 1941); »Admiral Nachimow« (»Admiral Machimow«, 1946); »Shukowski« (»Beherrscher der Lüfte«, 1951); »Woswraschtschenije Wassilija Bortnikowa« (»Drei Menschen«, 1953)
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