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Lee, Spike

Spike Lee.
Spike Lee.

Spike Lee ist Sohn eines Jazzmusikers und einer Lehrerin. Kurz nach Geburt des Sohnes am 20. März 1957 zieht die Familie von Atlanta nach New York, in die Stadt, die für Lee ebenso prägend werden soll, wie für seinen Kollegen Woody Allen. Lee studierte in New York Filmproduktion.

Spikes Lees Aufstieg beginnt 1986. In diesem Jahr dreht er seinen ersten Film »She’s gotta have it«. Schrill ist der Film um Nola und ihre drei Liebhaber, die sie letztlich alle abweist, schrill, billig und erfolgreich. Spätestens 1989 bewies er mit »Do the Right Thing«, dass er den Konflikt nicht scheute und ein sehr genaues Gefühl für die Atmosphäre in seinem Land hat. »Do the Right Thing« schildert gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Schwarzen und Weißen im New Yorker Stadtteil Brooklyn – 1992 schon kommt es in Los Angeles zu einem Aufstand und schweren Unruhen, bei denen 58 Menschen ihr Leben verlieren, nachdem weiße Polizisten einen Schwarzen misshandelt haben.

Wie kompliziert die Verhältnisse zwischen den Rassen in den USA sind, zeigt Lee in »Jungle Fever«. Hier ist sein schwarzer Protagonist durchaus erfolgreich: glücklicher Familienvater und erfolgreicher Anwalt, der eine Sekretärin sucht, eine seiner Hautfarbe, versteht sich. Ihm wird aber eine Italoamerikanerin aus sehr kleinen Verhältnissen zugewiesen. Und den beiden widerfährt, was weder ihre noch seine Umgebung duldet: der Anwalt und die Sekretärin, er schwarz, sie weiß, verlieben sich ineinander. Sein Vater hat für ihn nur noch Verachtung übrig, sie wird von ihrem aus dem Haus geprügelt – die Beziehung zerbricht. Einen Ausweg? Den gibt es nicht.

»Mo’ Better Blues« (1990) mit Denzel Washington in der Hauptrolle ist das Porträt eines Jazzmusikers. Zwei Jahre darauf gelingt Lee sein bislang größter Erfolg: »Malcom X« feiert den Führer der Black-Muslim-Bewegung, der 1965 ermordet wurde, nachdem er von seinem ursprünglichen Konzept des gewaltsamen Widerstandes gegen den weißen Rassisimus etwas abgerückt war. »Malcolm X«, wiederum von Denzel Washington verkörpert, ist eine aufwendige Produktion: 201 Minuten pflegt Lee seinen Regiestil, mit dem er nichts unerzählt lässt.

Politikfreier Erfolg

In »Crooklyn« findet Lee wieder zurück zum eher privaten Blick. Mitten im Ghetto ist die Geschichte angesiedelt, die er aus der Perspektive eines neunjährigen Mädchens schildert. Während »Malcom X« zumindest von einzelnen Kinos boykotiert wurde – die Betreiber befürchteten Unruhen -, wurde nun Lee plötzlich vorgeworfen, es sei zu versöhnlich. »Clockers« spielt im Drogenmilieu, in der Komödie »Girl 6« geht es um Telefonsex. »Auf engstem Raum« (»Get on the Bus«) beobachtet Männer, die in einem Bus unterwegs sind zu einem großen Black-Muslim-Treffen.

Nach dem Dokumentarfilm »Vier kleine Mädchen« (»Four Little Girls«), wird »He Got Game« (1998), in Deutschland als »Spiel des Lebens« in den Kinos zu sehen, für Lee ein großer kommerzielle Erfolg. Lee, der Basketballfan, hat hier einen völlig politikfreien Basketballfilm gedreht, der ihm in den USA erstmals die Spitzenposition an den Kinokassen beschert. Der Thriller »Summer of Sam« und die Satire »Bamboozled« (2000) folgen, ohne an diesen Erfolg anknüpfen zu können.

2002 liefert mit »We Wuz Robbed« einen Beitrag zum Projekt »Ten Minutes Older – The Trumpet«, in dem er sich mit den Merkwürdigkeiten auseinandersetzt, die George W. Bush in das Amt des amerikanischen Präsidenten beförderten. In »25 Stunden« (»The 25th Hour«) aus dem Jahre 2003 lässt Lee zum ersten Mal einen Weißen als Protagonisten auftreten und wagt es als erster Spielfilm-Regisseur überhaupt, die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 zu zeigen.

Lee beginnt 1988, Werbespots zu drehen. Zunächst wird er von Nike engagiert, später von Levi’s, AT&T und anderen Firmen. Überdies stammen von ihm etliche Musikvideos für Musiker wie Prince, Public Enemy oder Branford Marsalis.

Seine eigene Produktionsfirma »40 Acres and a Mule« garantiert im stets Unabhängigkeit und gibt ihm die Chance, immer wieder jüngere Kollegen zu unterstützen.

Thomas Steinberg, 2003

Kurz und knapp

US-amerikanischer Regisseur, Schauspieler und Produzent, geboren am 20. März 1957 in Atlanta

Filmografie

»Last Hustle in Brooklyn« (1977); »The Answer« (1980); »Sarah« (1981); »Joe’s Bed-Stuy Barbershop: We Cut Heads« (1983); »She’s Gotta Have It« (1986); »School Daze« (1988); »Do the Right Thing« (1989); »Mo’ Better Blues« (1990); »Jungle Fever« (1991); »Malcolm X« (1992); »Crooklyn« (1994); »Clockers« (1995); »Lumière et compagnie« (1996); »Girl 6« (1996); »Get on the Bus« (1996); »4 Little Girls« (1997); »He Got Game« (»Spike Lee’s Spiel des Lebens«, 1998); »Summer of Sam« (1999); »The Original Kings of Comedy« (2000); »Bamboozled« (2000); »Come Rain or Come Shine« (2001); »Jim Brown All American« (2002); »We Wuz Robbed« (Kurzfilm, 2002); »25th Hour« (»25 Stunden«, 2002); »She Hate Me« (2004); »Sucker Free City« (TV, 2004)

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