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Keaton, Buster

Buster Keaton steckt sich Zigarette an der Zündschnur einer Bombe an.
Stets furchtlos: Buster Keaton.

»I think I have had the happiest and luckiest of lives. Maybe this is because I never expected as much as I got. And when the knocks came I felt it was no surprise. I had always known life was like that, full of uppercuts for the deserving and the undeserving alike.« (Buster Keaton)

Geboren wird Joseph Francis »Buster« Keaton am 4. Oktober 1895 in Pickwick, Kansas. Seine Eltern Joseph Hallie und Myra Keaton sind Artisten, und so tritt Buster schon als kleiner Junge in Vaudeville-Shows auf und lernt dort die Körperbeherrschung, die es ihm später ermöglichen soll, die Stunts in seinen Filmen selbst zu übernehmen. (Nur einmal sollte er einen Stabhochspringer anheuern.) Auch sein Faible für komplizierte und weitgehend sinnfreie Mechaniken stammt aus dieser Zeit.

1917 steigt Keaton aus der Show seines Vaters aus; dessen Trinkerei macht die Bühnenarbeit unmöglich. Seine Solo-Karriere auf der Bühne währt bloß kurze Zeit, denn er lernt den Komiker Roscoe »Fatty« Arbuckle kennen und dreht mit ihm Filme für Comique Films, obwohl das zunächst kaum Geld einbringt. Dafür lernt das Handwerk des Filmemachens. Schon 1919 gründet Buster Keaton gemeinsam mit Joseph M. Schenk ein eigenes Studio, wo er bis 1923 bei 19 Kurzfilmen Regie führte. Wie Charlie Chaplin, Harold Lloyd und Harry Langdon steigt er zum Star der amerikanischen Stummfilmkomödie auf.

Volle Kontrolle

Buster heiratet, wird Vater und bringt 1923 mit »Ben Akiba hat gelogen!« (»Three Ages«) seinen ersten langen Spielfilm heraus, bei dem er sowohl vor als auch hinter der Kamera zu finden ist. Hier wie in seinen nächsten Arbeiten ist Keaton zugleich Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent, womit er über die volle künstlerische Kontrolle verfügt. Dennoch pflegt er einen ausgesprochen teamorientierten Stil. Der Regisseur und Gag-Schreiber Clyde Bruckman lobte in einem Interview: »Buster war der Typ, mit dem du gearbeitet hast – statt für ihn.«

In Amerika wird Keaton schnell zum Stoneface, zum Mann, der nie lächelte. Die Legende von der steinernen Miene ist freilich mehr als ungenau: Keaton setzt im Spiel auf eine subtile wie vielfältige Mimik, schauspielerisch das Gegenstück zu seinem artistischen Körpereinsatz.

Keatons Helden sind Menschen, die meist auf sich selbst bezogen sind, Kontakte mit der Umwelt eher scheuen, diese aber immer wieder aufgenötigt bekommen, und zwar in massiver Art und Weise. Für Buster gibt es kein Entrinnen, er wird in die seelenlose Maschinerie der Gesellschaft gezogen, von ihr gewalkt und geschüttelt. All diese Unvermeidlichkeiten lässt er mal mit stoischer Ruhe über sich ergehen, dann versucht er sich in wilder Flucht zu entziehen: diese Verfolgungsjagden eskalieren jedes Mal und bilden den Höhepunkt vieler Filme. Am Ende, so wollen es die Genreregeln, bleibt Buster der Sieger, kann die Angebetete in seine Arme schließen, obwohl er doch in seinem tiefsten Inneren weiter bleibt, was er ist: ein Individualist, dem die Gesellschaft, und komme sie nur in Gestalt der Zweisamkeit daher, zutiefst suspekt erscheint.

Persönliche Probleme

In rascher Folge entstehen in den 20er Jahren Keatons wichtige Filme, in denen er die unterschiedlichsten Typen verkörpert: In »Buster Keaton, der Matrose« (»The Navigator«) wird er 1924 zum gelangweilten Millionär, in »Der Cowboy« (»Go West«) versucht er sich als Cowboy, in »The General« (1926) ist er Lokführer während des Sezessionskrieges.

Nachdem »The General« (der heute als der wichtigste Buster-Keaton-Film angesehen wird) finanziell zu einem Misserfolg wird, verkauft Schenk den Vertrag mit Buster an die MGM. Dessen erster Film dort, »The Cameraman« (1928), trägt deutlich Keatons Handschrift, hat Erfolg an der Kinokasse. Nach und nach presst die Majorcompany Keaton in das übliche Studiosystem, das ihm immer weniger Freiheiten und Befugnisse lässt und der Qualität seiner Arbeit abträglich ist. Später wertete Keaton den Wechsel zu MGM als den größten Fehler seines Lebens.

Überdies stellen sich persönliche Probleme ein. Die erste Ehe scheitert, die zweite, kurze Zeit später geschlossen, hält lediglich einige Wochen. 1933 kündigt die MGM den Vertrag auf. Keaton wird zum Trinker, begibt sich Mitte der 30er Jahre in die Psychiatrie. Einige Zeit später fasst Keaton wieder Tritt und heuert als Gag-Schreiber bei MGM an, dreht einige Kurzfilme und heiratet erneut, und dieses Mal soll die Ehe gelingen.

Keaton tourt in 50er Jahren mit einem Zirkus durch Europa und erlebt 1962 die Wiederentdeckung von »The General« und erhält daraufhin einige kurze Rollen beim Film, etwa in Billy Wilders »Sunset Boulevard« oder in »Film«, einem Kurzfilm, für den Samuel Beckett das Drehbuch verfasste.

Buster Keaton stirbt am 1. Februar 1966 in Woodland Hills.

Thomas Steinberg, 2005

Kurz und knapp

amerikanischer Schauspieler, Regisseur und Produzent, geboren am 4. Oktober 1895 in Pickwick, gestorben am 1. Februar 1966 in Woodland Hills

Filmografie

Filme, in denen Keaton Regie führte und die Hauptrolle spielte:

»The Tree Ages« (»Ben Akiba hat gelogen!«, 1923); »Our Hospitality« (»Bei mir – Niagara«, »Verflixte Gastfreundschaft«, 1923); »Sherlock, Jr.« (»Sherlock Holmes jr.«, 1924); »The Navigator« (»Buster Keaton, der Matrose«, »Der Navigator«, 1924); »Seven Changes« (»Buster Keaton, der Mann mit den tausend Bräuten«, 1925); »Go West« (»Der Cowboy«, 1925); »Battling Butler« (»Buster Keaton, der Boxer«, »Der Killer von Alabama«, 1926); »The General« (»Der General«, 1926)

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